Theodahads unstetes Auge vermied ihren ernsten, prüfenden Blick.

»Es ist ein übler Gast,« fuhr sie fort, »den ich in mitternächtiger Stunde als deinen Vertrauten bei dir finde. Es ist kein Heil für einen Fürsten als in seinem Volk: zu spät hab’ ich’s erkannt, zu spät für mich, nicht zu spät, hoff’ ich, für mein Volk. Traue du nicht Byzanz: es ist ein Schild, der den erdrückt, den er beschirmen soll.«

»Du bist ungerecht,« sagte Petros, »und undankbar.«

»Thu nicht, mein königlicher Vetter,« fuhr sie fort, »was dieser von dir fordert. Bewillige nicht du, was ich ihm weigerte. Sicilien sollen wir abtreten und dreitausend Krieger dem Kaiser stellen für alle seine Kriege – ich wies die Schmach von mir. Ich sehe,« sprach sie, auf das Pergament deutend, »du hast schon mit ihm abgeschlossen. Tritt zurück, sie werden dich immer täuschen.«

Ängstlich zog Theodahad die Urkunde an sich: er warf einen mißtrauischen Blick auf Petros.

Da trat dieser gegen Amalaswintha vor: »Was willst du hier, du Königin von gestern? Willst du dem Beherrscher dieses Reiches wehren? Deine Zeit und deine Macht ist um.« – »Verlaß uns,« sagte Theodahad, ermutigt. »Ich werde thun was mir gutdünkt. Es soll dir nicht gelingen mich von meinen Freunden in Byzanz zu trennen. Sieh her, vor deinen Augen soll unser Bund geschlossen sein.« Und er zeichnete seinen Namen auf die Urkunde.

»Nun,« lächelte Petros, »kamst du noch eben recht, als Zeugin mit zu unterzeichnen.«

»Nein,« sprach Amalaswintha mit einem drohenden Blick auf die beiden Männer, »ich kam noch eben recht, euren Plan zu vereiteln. Ich gehe geradeswegs von hier zum Heere, zur Volksversammlung, die nächstens bei Regeta tagt. Aufdecken will ich daselbst vor allem Volk deine Anträge, die Pläne von Byzanz und dieses schwachen Fürsten Verrat.«

»Das wird nicht angehn,« sagte Petros ruhig, »ohne dich selbst zu verklagen.«

»Ich will mich selbst verklagen. Enthüllen will ich all’ meine Thorheit, all’ meine blutige Schuld und gern den Tod erleiden, den ich verdient. Aber warnen, aufschrecken soll diese meine Selbstanklage mein ganzes Volk vom Ätna bis zu den Alpen; eine Welt von Waffen soll euch entgegenstehn und retten werd’ ich meine Goten durch meinen Tod von der Gefahr, in die mein Leben sie gestürzt.« Und in edler Begeisterung eilte sie aus dem Gemach.