»Wo sind sie?« fragte er. »Geschlagen und geflohn.« – »Ah, Sieg!« atmete Valerius auf; »ich darf im Siege sterben. Und Valeria – mein Kind – sie ist gerettet?«
»Sie ist es. Aus dem Seegefecht, aus dem Meer entkommen, eilte ich hierher, Neapolis zu warnen, euch zu retten. Nahe der Straße, zwischen deinem Hause und Neapolis, war ich gelandet; dort traf ich sie und erfuhr deine Gefahr; eins meiner Schiffsboote nahm sie auf und führt sie nach Neapolis: mit dem andern eilte ich hierher dich zu retten – ach nur zu rächen!« Und er senkte das Haupt auf des Sterbenden Brust.
»Klage nicht um mich, ich sterbe im Sieg! Und dir, mein Sohn, dir, dank’ ich es.« Und wohlgefällig streichelte er die langen Locken des Jünglings. »Und auch Valerias Rettung. O dir, dir, ich hoffe es, auch Italiens Rettung. Du bist der Held, auch dieses Land zu retten, – trotz Belisar und Narses. Du kannst es, – du wirst es – und dein Lohn sei mein geliebtes Kind.« – »Valerius! Mein Vater!« – »Sie sei dein! Aber schwöre mir’s,« – und er richtete sich empor mit letzter Kraft und sah ihm scharf ins Auge – »schwöre mir’s beim Genius Valeria’s: nicht eher wird sie dein, als bis Italien frei ist und keine Scholle seines heiligen Bodens mehr einen Byzantiner trägt.«
»Ich schwör’ es dir,« rief Totila, begeistert seine Rechte fassend, »ich schwör’s beim Genius Valerias!«
»Dank, dank, mein Sohn; nun mag ich getrost sterben: – grüße sie und sage ihr: dir hab’ ich sie empfohlen und [pg 404]anvertraut: sie – und Italien.« Und er legte das Haupt zurück auf seinen Schild und kreuzte die Arme über der Brust – und war tot.
Lange hielt Totila schweigend die Hand auf seiner Brust.
Ein blendendes Licht weckte ihn plötzlich aus seinem Träumen: es war die Morgensonne, deren goldne Scheibe prächtig über den Kamm des Felsgebirges emportauchte: er stand auf und sah dem steigenden Gestirn entgegen. Die Fluten glitzerten in hellem Widerschein und ein Schimmer flog über alles Land.
»Beim Genius Valerias!« wiederholte er leise mit innigster Empfindung und hob die Hand zum Schwur dem Morgenlicht entgegen. Wie der Tote fand er Kraft und Trost und Begeisterung in seinem schweren Gelübde: die hohe Pflicht erhob ihn. Gekräftigt wandte er sich zurück und befahl, die Leiche auf sein Schiff zu tragen, um sie nach dem Grabmal der Valerier in Neapolis zu führen.