Und unter lautem Beifall des Volkes zog der stattliche schöne Jüngling das Schwert und streckte es gerad vor sich auf den Richterstuhl.
»Und dein Beweis? sag an ... –«
»Halt, Dinggraf,« scholl da eine ernste Stimme. Witichis trat vor, dem Kläger entgegen. »Bist du so alt und kennst das Recht so wohl, Meister Hildebrand, und läßt dich fortreißen von der Menge wildem Drang? Muß ich dich mahnen, ich, der jüngere Mann, an alles Rechtes erstes Gebot? Den Kläger hör’ ich, die Beklagte nicht.«
»Kein Weib kann stehen in der Goten Ding,« sprach Hildebrand ruhig.
»Ich weiß: doch wo ist Theodahad, ihr Gemahl und Mundwalt, sie zu vertreten?«
»Er ist nicht erschienen.«
»Ist er geladen?«
»Er ist geladen! Auf meinen Eid und den dieser Boten,« sprach Arahad: »tretet vor, Sajonen.« Zwei der Fronwärter traten vor und rührten mit ihren Stäben an den Richterstuhl.
»Nun,« sprach Witichis weiter, »man soll nicht sagen, daß im Volk der Goten ein Weib ungehört, unverteidigt verurteilt werde; wie schwer sie auch verhaßt sei, – sie hat ein Recht auf Rechtsgehör und Rechtsschutz. Ich will ihr Mundwalt und ihr Fürsprecher sein.«
Und er trat ruhig dem jugendlichen Ankläger entgegen, gleich ihm das Schwert ziehend.