»Wie, Feigling?« sprach Witichis, »du ahntest, was vorging und schlichst hinweg?«
»Ich bin nur ein Sklave, Herr, kein Held: und hätte mich die grimme Königin bemerkt, ich stünde wohl nicht hier, sie anzuklagen. Gleich darauf erscholl der Ruf, die Fürstin Amalaswintha sei im Bad ertrunken.«
Ein Murren und Rufen drang tosend durch das versammelte Volk.
Frohlockend rief Arahad: »Nun, Graf Witichis, willst du sie noch beschützen?« – »Nein,« sprach dieser ruhig, das Schwert einsteckend, »ich schütze keine Mörderin. Mein Amt ist aus.« Und mit diesem Wort trat er von der linken auf die rechte Seite, zu den Anklägern, hinüber.
»Ihr, freie Goten, habt das Urteil zu finden und das [pg 428]Recht zu schöpfen,« sprach Hildebrand, »ich habe nur zu vollziehen, was ihr gefunden. So frag’ ich euch, ihr Männer des Gerichts, was dünkt euch von dieser Klage, die Graf Arahad, des Aramuth Sohn, der Wölsung, erhoben gegen Gothelindis, die Königin? Sagt an: ist sie des Mordes schuldig?«
»Schuldig! schuldig!« scholl es mit vielen tausend Stimmen und keine sagte nein.
»Sie ist schuldig,« sagte der Alte aufstehend. »Sprich, Kläger, welche Strafe forderst du um diese Schuld?«
Arahad erhob das Schwert gerade gegen Himmel: »Ich klagte um Mord. Ich klagte auf Blut. Sie soll des Todes sterben.«
Und ehe Hildebrand seine Frage an das Volk stellen konnte, war die Menge von zorniger Bewegung ergriffen, alle Schwerter flogen aus den Scheiden und blitzten gen Himmel auf und alle Stimmen riefen: »Sie soll des Todes sterben!« –
Wie ein furchtbarer Donner rollte das Wort, die Majestät des Volksgerichts vor sich her tragend, über das weite Gefild, daß bis in weite Ferne die Lüfte wiederhallten. –