Nun war der Reiter heran und stieg ab mit dem Knaben: »mein liebes Weib!« sprach er, sie herzlich umarmend. »Mein Witichis!« flüsterte sie, an seiner Brust erglühend, entgegen, »willkommen bei den Deinen.« – »Ich hatte versprochen, noch vor dem neuen Mond zu kommen – schwer ging’s –«

»Aber du hieltst Wort wie immer.« – »Mich zog das Herz,« sagte er, den Arm um sie schlingend. Sie schritten langsam dem Hause zu. »Dir, Athalwin, ist, scheint’s, Wallada wichtiger als der Vater,« lächelte er dem Kleinen zu, der sorgfältig das Pferd am Zügel nachführte.

»Nein, Vater, aber gieb mir noch die Lanze dazu – so gut wird mir’s selten hier in dem Bauernleben« – und den langen schweren Speerschaft mit Mühe einherschleppend, rief er laut: »he, Wachis, Ansbrand, der Vater ist da! – Jetzt holt den Falernerschlauch aus dem Keller. Der Vater hat Durst vom scharfen Ritt.«

Lächelnd strich Witichis über den Flachskopf des Knaben, der jetzt an ihnen vorüber und voran eilte. »Nun, und wie steht’s hier draußen bei euch?« fragte er, auf Rauthgundis blickend. »Gut, Witichis, die Ernte ist glücklich eingebracht, die Trauben gestampft, die Garben geschichtet.« – »Nicht danach frag’ ich,« sagte er, sie zärtlich an sich drückend, – »wie geht es dir?« – »Wie’s einem armen Weibe geht,« antwortete sie, zu ihm aufblickend, »das seinen herzgeliebten Mann vermißt. Da hilft nur Arbeit, Freund, und tüchtig Schaffen, daß man das weiche Herz betäubt. Oft denk’ ich, wie hart du dich mühen mußt, draußen, unter fremden Leuten, im Lager und am Hof, wo niemand dein in Treuen pflegt. Da soll er wenigstens, denk’ ich dann, kömmt er heim, sein Haus immer wohl bestellt und traulich finden.

Und das ist’s, sieh, was mir all’ die dumpfe Arbeit lieb macht und weihet und veredelt.«

»Du bist mein wackeres Weib. Mühst du dich nicht zuviel?«

»Die Arbeit ist gesund. Aber der Verdruß, die Bosheit der Leute, das thut mir weh.« Witichis blieb stehen. »Wer wagt’s, dir weh zu thun?« – »Ach, die welschen Knechte und die welschen Nachbarn.

Sie hassen uns alle. Weh uns, wenn sie uns nicht mehr fürchten. Calpurnius, der Nachbar, ist so frech, wenn er dich ferne weiß, und die römischen Sklaven sind trotzig und falsch; nur unsre gotischen Knechte sind brav.«

Witichis seufzte. Sie waren jetzt vor dem Hause angelangt und ließen in dem Säulengang sich vor einem Marmortisch nieder. »Du mußt bedenken,« sagte Witichis, »der Nachbar hat ein Drittel seines Guts und seiner Sklaven an uns abtreten müssen.« – »Und hat zwei Drittel behalten und das Leben dazu – er sollte Gott danken!« meinte Rauthgundis verächtlich.

Da sprang Athalwin heran mit einem Korb voll Äpfeln, die er vom Baum gepflückt; dann kamen Wachis und die andern germanischen Knechte mit Wein, Fleisch und Käse und sie begrüßten den Herrn mit freimütigem Handschlag. »Gut, meine Kinder, seid gegrüßt. Die Frau lobt euch. Aber wo stecken Davus, Cacus und die andern?« – »Verzeih, Herr,« schmunzelte Wachis, »sie haben ein schlecht Gewissen.«