»Cethegus dem Präfekten sein Julius Montanus.

Wie lange ist’s, mein väterlicher Lehrer,« (– »beim Jupiter, das klingt frostig« –) »daß ich dir nicht den schuldigen Gruß gesendet. Das letzte Mal schrieb ich dir an den grünen Ufern des Ilissos, wo ich in dem verödeten Hain des Akademos die Spuren Platons suchte – und nicht fand. Ich weiß wohl, mein Brief war nicht heiter. [pg 190]Die traurigen Philosophen dort, in vereinsamten Schulen wandelnd, zwischen dem Druck des Kaisers, dem Argwohn der Priester und der Kälte der Menge, sie konnten nichts in mir erwecken als Mitleid. Meine Seele war dunkel, ich wußte nicht weshalb.

Ich schalt meinen Undank gegen dich – den großmütigsten aller Wohlthäter – –« (»so unerträgliche Namen hat er mir nie gegeben,« schaltete Cethegus ein).

»Seit zwei Jahren reise ich, mit deinen Reichtümern wie ein König der Syrer ausgestattet, von deinen Freigelassenen und Sklaven begleitet, durch ganz Asien und Hellas, genieße alle Schönheit und Weisheit der Alten – und mein Herz bleibt unbefriedigt, mein Leben unausgefüllt. Nicht Platons schwärmerische Weisheit, nicht das Goldelfenbein des Pheidias, Homeros nicht und nicht Thukydides boten, was mir fehlte.

Endlich, endlich hier in Neapolis, der blühenden göttergesegneten Stadt hab’ ich gefunden, was ich unbewußt überall vermißt und immer gesucht.

Nicht tote Weisheit: warmes, lebendiges Glück,« (– er hat eine Geliebte! nun endlich, du spröder Hippolyt, Dank euch, Eros und Anteros! –) »o, mein Lehrer, mein Vater! weißt du, welch ein Glück es ist, ein Herz, das dich ganz versteht, zum erstenmal dein eigen nennen?« (– »ah, Julius,« seufzte der Präfekt mit einem seltnen Ausdruck weicher Empfindung, »ob ich es wußte!« –) »Dem du die ganze volle Seele offen zeigen magst? O, wenn du’s je erfahren, preise mich, opfre Zeus dem Erfüller endlich: zum erstenmal hab’ ich einen Freund.«

»Was ist das?« rief Cethegus unwillig aufspringend mit einem Blick eifersüchtigen Schmerzes, »der Undankbare!«

»Denn, das fühlst du wohl, ein Freund, ein Herzensvertrauter fehlte mir bis jetzt. Du, mein väterlicher Lehrer« –

Cethegus warf die Tafeln auf den Schildpatttisch und machte einen hastgen Gang durchs Zimmer. »Thorheit!« sagte er dann ruhig, nahm den Brief auf und las weiter –

»Du, soviel älter, weiser, besser, größer als ich – du hast mir eine solche Wucht von Dank und Verehrung auf die junge Seele geladen, daß sie sich dir nie ohne Scheu öffnen konnte. Auch hörte ich oft mit Zagen, wie du solche Weichheit und Wärme mit ätzendem Witze verhöhntest: ein scharfer Zug um deinen stolzen festgeschlossenen Mund hat solche Gefühle in mir in deiner Nähe stets getötet wie Nachtfrost die ersten Veilchen« (– »nun, aufrichtig ist er!« –) »Jetzt aber hab’ ich einen Freund gefunden: offen, warm, jung, begeistert wie ich und nie gekannte Wonne ist mein Teil. Wir haben nur Eine Seele in zwei Körpern: die sonnigen Tage, die mondsilbernen Nächte wandeln wir miteinander durch diese elyseischen Gefilde und finden kein Ende der geflügelten Worte. – Aber ich muß ein Ende finden dieses Briefs. Er ist ein Gote« (– »auch noch,« sagte Cethegus ungehalten,) »und heißt Totila.« –