»Einst endet das All, es welket die Welt, wann wilde Gewalten ruchloser Riesen reißen die kräftigen Ketten, darin sie gefesselt gute Geister. Und es wollen die Wilden, die wütigen Wölfe, die dräuenden Drachen sich der Seelen bemeistern der Menschen.
In Feuer und Flammen hebt sich ein Buhurd: vom hohen Himmel steigen, stolz und strahlend wie Sterne, uns Helden als Helfer herab und auf Erden ringen, rennen und reiten alle Edeln, die Waffenwerks weise. Wird da wild ein kühnes Kämpfen, ein arges, entbrennen, wie nimmer noch Augen ersahen auf Erden. Es hallet ein Heerhorn, ein gellendes, goldnes, das da wahret der Wächter des Wegs zu den himmlischen Hallen. Von drüben dumpf dröhnet der Riesen Ruf: nun treffen die Tapfern in Eil' aufeinander.
Es naht eine Natter, ein wütender Wurm, mächtig aus dem Meer, aus Wogen und Wellen windet und wälzt er sich in Schlangenschuppen ans steile Gestade: giftigen Geifer speit er in Sprudeln. Es schwimmt ein Schiff, schwarz und schrecklich: gräßliche Geister stehen am Steuer, setzen die Segel, rühren die raschen Ruder: Reihen von Riesen lädt es ans Land. Krächzend krähet der heis're Höllenhahn: es heult der Helhund. Der Helwolf hat die Bande gebrochen: die Fessel fiel, rasend rennt er und reißt, was er erreicht. Da beben die Berge, da brechen die Bäume, entwurzelt erdröhnen uralte Eichen und Fichten im Fall. Es ächzen die Elben, die zottigen Zwerge, unter den fallenden Felsen. Es birst der blaue Himmel, der hohe, es birst die Brücke, der reichfarbige Regenbogen, darauf die Stolzen herabgestiegen. Unter all dem Dröhnen und Donnern doch dauert der Drang der ringenden Recken: aus den Fugen fällt die weite Welt, nicht stört das die Starken im Stürmen: fort fechten sie freudig, unter den Trümmern noch trotzig einer wankenden Welt.«
»Fort fechten sie freudig, … unter den Trümmern noch trotzig einer wankenden Welt –« wiederholte Hellmuth leuchtenden Auges und drückte fest die Faust um den Schwertgriff.
»Es rasen die Rosse der helmfrohen Helden, die wild wiehernden Hengste, hoch hauenden Hufs: Speere zerspellen: zerschrotene Schilde, zerhackte Helme, zerbrochene Brünnen decken dicht die alte Erde, die eine einzige Walstatt wurde. Aber ach! Allmählich werden die Wilden, die argen Unholde, Meister der Menschen: es wanken und weichen die schimmernden Scharen der guten Geister, der hohen Helfer.
Und die ermüdenden Menschen mähet und fället furchtbar der Feinde finsterer Führer, das schwarze Scheusal, der Rauchriese, ganz gehüllt in Rauch und in Ruß. Auf dem Rappen rennt er in die Haufen der hellen Helden. Soll er denn siegen?«
»Nein,« knirschte Hellmuth, »nicht, solang ich Hand heben mag.«
»Da rufen die Recken, die bitter bedrängten, blutend aus Verch-Wunden, sie rufen um Rettung: ›komm, kehre du Kühnster der Kühnen, uns, du Waltender, wieder! Was wichst du von uns? Was weilte dich, Wandrer, im Walde? Was barg dich im Berge? Siegvater, siehe die Drangsal der Deinen!‹
Und horch! Da hallet es hin durch die Himmel! Gellender gellt das helle Horn: und es läuft durch die Lüfte wie Rauschen von Raben und ein Jauchzen, ein Jagen von raschen Rossen! Und siehe, da sauset, im mächtigen Mantel, im herrlichen Hochhelm, auf dem großen Grauroß, mit dem spitzigen Speer uns zur Hilfe heran der herrliche Held: Kaiser Karl, den in hohler Höhle des Berges geborgen zäher Zauber: verwunschen war er, als wilder Jäger zu jagen. Aber in äußerster Not nun naht er!
Der Zauber zerfiel und stolz und strahlend, wie er weiland gewaltet in hohen Hallen, führt er freudig die Seinen zum Siege! Und siegen darf an seiner Seite, wer ihm die Seele selber brachte im Bündnis, im treuen Vertrag, auf ewig zum Opfer! An seiner Seite darf er die dräuenden Drachen bestehen im Streite und fällen die Feinde. Wir siegen! Wir siegen! Es fliehen die Feinde, es weichen die Wilden. Wohl verbrennt in breitem Brande die alte Erde. Doch es taucht aus den Tiefen, den nächt'gen, aufs neue wonniger wieder eine werdende Welt und hoch dann und herrlich mit dem hehren Helden haus' ich im Himmel mit allen Edeln immer und ewig.«