»Nein! – Das war … ein anderer! – Aber Graf Gerwalt, was wird aus Euch?« Heilfriede legte die Hand auf ihres Gatten gepanzerte Schulter und sprach mit stolzfreudigem Blick: »Markgraf von Meißen wird er, mit herzoglichem Recht und Rang. Der große Held, Markgraf Eckhart, der Schreck der Slaven, der Schirmer unserer Marken dort, ist gestorben. Mein Mann tritt an seine Stelle. Sobald Ihr vom Lager erstanden seid, brechen wir dorthin auf.«

Herr Heinrich nickte: »Er hat's verdient. – Zwei Grafschaften kann ich allein nicht selbst verwalten. Hellmuth soll den Rangau – Wo ist Hellmuth? ah dort! Sieh, Hand in Hand mit Edel? Nun möcht' ich doch wissen auch von gar manchen andern noch: von dem Geschicke so vieler der mir anvertrauten Seelen – wie hat all das gewirkt auf …? – ach auf viele! Und wie kommt es, – daß Minnegard, – sie lehnt an Fulkos Brust! Ei schlimme Mündel! Berichtet und erklärt!«

»Nein,« sprach Frau Heilfriede sanft, den Finger auf die Lippen legend, »heute wird nichts mehr berichtet und erklärt. Es ist genug, fast schon zuviel gewesen für einen wunden Mann. Morgen dann – da uns der liebe Gott nicht mehr bedroht! – morgen ist auch noch ein Tag. Da mögt Ihr alles vernehmen: – wird Euch wohl manches wundern! Aber Ihr werdet mir eine Bitte nicht verweigern, Herr Hezilo?«

»Keine, Heilfriede!« – »Jetzt, Herr Bischof, sprecht Euer Nachtgebet. Es wird draußen schon dunkel. Jetzt scheidet … auch du, mein Gerwalt – geht nun alle hinaus. Der Kranke muß ruhen, schlafen.« »Aber er darf nicht allein bleiben,« rief Minnegard. »Gewiß nicht! Ich will …« sprach Edel eifrig. »Nein, liebes Kind,« erwiderte die sanfte Frau, ihre Wange streichend. »Das ist mein Recht: ich bin doch seine älteste Freundin.«


Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 36: Schatte → Schatten
damit der hinter sie fallende [Schatten] die Fische

S. 38: nud → und
aus der Wunde reißen [und] so taumelte er denn