Können heute noch Männer seinesgleichen wachsen und werden? Die Großen aus dem Reiche der Industrie sind gestorben oder sie altern. Aus den Reihen der jungen Saat sehen wir noch keinen Halm, der über die umstehenden Köpfe soweit hinausragt, wie Saul über die Propheten. Unsere Industrieentwickelung ist voller aber auch ruhiger geworden. Es sind nur Schritte vorwärts zu tun, langsame oder schnelle, aber keine großen Distanzen mehr zu überspringen, im Sturmschritt zu durcheilen wie zur Zeit, als Rathenau nicht nur selbst jung war, sondern das Glück hatte, die Jugend einer Epoche zu erleben. Es fehlen die neuen, großen jungfräulichen Probleme, an denen sich die Begabung zur Vollkraft entwickeln, der Feuerfunke des Genius zum lodernden Brand entzünden kann. — Fehlen sie? Oder werden sie aus der ungeheuren Umwälzung entstehen, in die dieser lange, schwere und zerstörende Krieg Europa gestürzt hat und aus der seine Weltherrschaft nur eine ungeheure Arbeit der Geister und Hände erretten könnte? — Warten wir und hoffen, daß uns Deutschen Männer wie Emil Rathenau wieder geschenkt werden, die unsere Kraft der Organisation mit dem Blute der Persönlichkeit durchtränken und zu noch höherem Werte emporheben können.
Wir machen bei dieser Gelegenheit noch besonders auf die früher erschienenen Bände I–V der „Großen Männer“ aufmerksam.
Band I
Große Männer.
Von Wilhelm Ostwald, 3. u. 4. Aufl. Broschiert M. 14.—.
Die schnelle Folge der Auflagen ist ein Beweis dafür, wie dieses Werk die öffentliche Meinung wachgerüttelt hat. Demgemäß haben denn auch die vorliegenden Kritiken alle Stufen von glühendem Enthusiasmus bis zu wütender Gegnerschaft durchmessen... Es sei wiederholt auf dieses bedeutsame Buch hingewiesen, das die so wichtigen Gegenstände der Erziehung und Bildung der Jugend in eine ganz neue Beleuchtung rückt und aus deren Ergebnis einschneidende Verbesserungsvorschläge gewinnt.
Frankfurter Zeitung.
Band II
Zur Geschichte der Wissenschaften und der Gelehrten seit zwei Jahrhunderten