»Aber warum denn? Vögelst du vielleicht gar deine Mutter?«
»Ich muß …« Er war in Zorn geraten. »Diese gottsverfluchten Frauenzimmer«, rief er aus, »die sind ja alle miteinand so schlecht …«
»Und heut hast sie schon zweimal gevögelt …?«
»O nein, sie kommt erst am Abend z' Haus.«
»Alsdann, wen hast du denn gefickt?«
»Meine Schwestern …«
»Deine Schwestern …? Alle zwei …?«
»Ja, alle zwei, und wenn ich dich jetzt vögeln möcht', dann möcht er mir vielleicht am Abend im Bett nicht stehn, und dann weiß die Mutter gleich, daß ich mit der Rosa und mit der Wetti was gemacht hab, und dann schlagt sie mich.«
Und nun erzählte er mir eine ganze Geschichte. Ich brauchte gar nicht mehr hin- und herfragen. Es war ihm offenbar selbst ein Bedürfnis, sich mir anzuvertrauen. Seinen Vater hatte er nie gekannt, wußte sich seiner auch kaum zu erinnern, denn der war gestorben, als Schani noch ein ganz kleines Kind war. Seine Schwestern hatte ich oft gesehen. Seine Mutter auch. Die Mutter war eine eher kleine, ganz magere Frau, noch nicht alt. Und sie hatte so schöne schwarze Augen wie ihr Sohn. Rosa, die älteste, war achtzehn Jahre alt, ein blondes schlankes Mädchen, das wohl viel Sommersprossen hatte, dafür aber zwei harte, hoch aufstehende, spitze Brüste, und Wetti, die jüngere, die sechzehn Jahre alt war und dick, kurz, mit vollen jungen Brüsten und einem breiten Popo, daß ihr die Männer auf der Straße nachliefen. Wetti hatte angefangen. Sie war als zwölfjähriges Kind von einem Kolporteur, der mit Schauerromanen hausieren ging, entjungfert worden, als er sie einmal allein zu Haus traf. Der Mann hatte sie jedoch keineswegs vergewaltigt, sondern es war eher anzunehmen, daß Wetti ihn verführt hatte. Denn sie begann damals eben sich zu entwickeln und schaute alle Männer mit verlockenden Augen an.
Von diesem Abenteuer erzählte sie ihrem Bruder, sie zeigte ihm, wie das geschehen war, und die beiden spielten seither öfter »Kolporteur«. Eines Tages, als sie mitten im Kolporteurspielen waren, erwischte sie Rosa. Sie blieb ganz ruhig vor ihnen stehen, und als die beiden erschrocken auffuhren, sagte sie: »Was treibt ihr denn da?« Natürlich bekam sie keine Antwort. Wetti und Schani fürchteten sich, die große Schwester werde sie prügeln oder verraten. Es geschah aber nichts von alledem. Rosa prügelte sie nicht und verriet sie nicht. Dafür rief sie in der Nacht, als die drei Geschwister, die in einem Zimmer beisammen schliefen, schon im Bett lagen, Schani zu sich. Schani kam. »Was hast du heute mit der Wetti getan?« – »Nichts.« – »So? wegen nichts hast du ihr die Röcke aufgehoben, und die Duteln herausgenommen?« – »O, wir haben uns nur gespielt …« – »Na, so zeig mir, wie ihr euch gespielt habt.«