Sally Friedenthal wollte sein Herrengarderobengeschäft aufgeben und veranstaltete einen Ausverkauf. Schließlich blieben aber noch 49 Anzüge, für die sich keine Käufer finden wollten. „Was fang ich damit an?“ fragte er seinen Freund Lilienfeld, „morgen muß der Laden geräumt sein.“ — „Nichts einfacher als das,“ erwidert Lilienfeld. „Du wirst doch haben, nu — sagen wir: sieben Freunde.“ — „Hab ich,“ versetzte Friedenthal. „Also schickste jedem von den sieben Freunden sieben Anzüge mit der Nota über sechs. Werden se nichts sagen und se behalten.“ — „Ausgezeichnete Idee!“ ruft Friedenthal und begibt sich sofort an die Ausführung. Nach acht Tagen trifft er seinen Freund auf der Straße. „Nu?“ fragt dieser, „wie is es geworden mit den Anzügen?“ — „n' Schlag sollste kriegen!“ ruft Friedenthal, „refüsiert haben se und retourniert haben se alle mit'nander, aber keiner mehr als sechs!“
Böse Auskunft
Lehmann kommt in eine Auskunftei, um sich über den Kaufmann Fischer zu erkundigen, auf den er einen Wechsel gezogen. Der Auskunftsbeamte sagt, die Firma sei pikfein, das einzige Nachteilige, wenn jener es so ansehen wolle, sei, daß der Chef blind sei. „Au weih!“ schreit Lehmann, „das genügt, ich bin verloren; mein Wechsel ist ein Sichtwechsel!“
Passender Ersatz
In einen Kolonialwarenladen kommt ein Herr und verlangt einen Matjeshering. „Bedaure,“ sagt der junge Kommis, „Matjesheringe haben wir nicht.“ — Der Kunde geht. — Der Prinzipal hat dies vom Nebenzimmer angesehen und haucht den Kommis an. „Wie kenn Se lassen geh'n ä Kundschaft ohne was zu kaufen! Wenn mer haben keene Matjesheringe missen Se anbieten, was is auf Lager: ä Stockfisch, ä Bülowhering, ä Ostseehering, ä paar Sprotten ... aber nie lassen fort die Kundschaft ohne was zu kaufen!“
„Gut,“ sagt der Kommis, „ich werd' mer's merken.“
Am nächsten Tage kommt eine feine Dame in den Laden und verlangt errötend eine Rolle Toilettepapier.
„Bedaure,“ sagte der Kommis, „Toilettepapier haben wir nicht, vielleicht nehmen Sie dafür Schmirgelpapier!“