Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber von derselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).

Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).

Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).

Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257; Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.; Skizzen 57).

Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau[18] mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu[19] gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen die Catalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.

Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).

Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigen Programmpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nur ein Paar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).

Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).

Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).

Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).