Du kannst das Hotel jetzt unmöglich verlassen. Es ist Mitternacht. . . Ich will mein Leben lang für dich arbeiten.
Germaine:
Das werden wir sehen! . . . — Sei doch vernünftig.
(Sie kommt ins Zimmer zurück und tritt ans Fenster.)
Siehst du? Auf der Place Stanislas gehen die Kavaliere im Regen. Die suchen doch! Es ist Mitternacht. Und ich bin nicht da . . . Ich bin wunderschön! Ich komme. Ich sehne mich nach meinem Charakter. Ich muß in Ordnung kommen.
Ostap
(packt sie am Handgelenk):
Du bleibst hier! Du . . .
Germaine:
So sag’ doch, was ich bin! So sag’ es doch endlich! Du hast es doch tausendmal gesagt! Du hast mich so frech beschimpft, daß ich dachte: „Was ist das für ein Mensch!“ Und jetzt willst du mich einsperren! Ich soll wohl keinen Menschen mehr ansehen dürfen! Mich soll wohl kein Mensch mehr ansehen dürfen! Ich war so gut im Gange. Du hast mich herausgenommen. Aber du hast mir versprochen, daß du mich der Straße zurückgeben wolltest. Ich bin einmal nicht wie die Bürgermädchen, die keine Ehre im Leibe haben. Ich kann ohne Ehre nicht leben! Ich kann meine Zeit nicht verlieren. In diesem Kleid habe ich immer Glück gehabt. — Du hast mir versprochen, daß ich für dich verdienen sollte. Du hast mir versprochen, daß ich meinen Charakter wieder haben sollte. So sei doch endlich, was du sagst! Bei mir ist alles Wirklichkeit. Bei mir langweilt man sich nicht. Du sollst es gut haben. Du schläfst bis Mittag.
Ostap
(läßt Germaines Handgelenk los):