Baumes, der sommers ein Kastanienbaum war, machten Ostap schutzbedürftig nach heißem schwarzem Kaffee. Er streifte hängende Zweige sehr bleichen Weidenlaubs, und da war um ihn die Seligkeit millionenfach zerstäubenden Puders, himmlisches Glitzern und aller Glanz der Weihnachtsnacht. Im Osten jedoch, über der Bundeshauptstadt, troff der Wolkenhang schlimm. So trübe glimmt Waschwasser, das von einem abgespannten Mädchen mit übermangansaurem Kali vermischt worden wäre.

Und Ostap, jeden Schritts die blütenhelle Reinheit des jungen Schnees unerhört entjungfernd, nahm den Weg zu dem netten Hause, in dem Manon wohnte und die anderen. Er ging Wege, die er wußte. Kein Laut. Nur ein Rabe, aufgestört, krächzte und schüttelte sein Gefieder. Das sprühte. O, diese Winterfrühe, niemandem außer ihm so schimmernd aufgebaut mit gespensterweiß umhüllten Zäunen, war süß und war ein Geschenk! . . .

Als Ostap das Gartentor öffnen wollte, erblickte er, von der Haustür ausgehend, die frischen Fußspuren eines Kavaliers.

III
Sachliche Angaben

Manons Vater, vollblütig, lebensrosa, traditionell-egoistisch, unpolitisch, brav, war der reichste Kaufmann am Platze. Er wußte was seine Tochter wert war, denn er unterschied die Frauen. Manons Mutter war die in der Provinz übliche Kapotte-Trägerin. Manon, in frühe Mannbarkeit eingerückt, warf sich heftig in die Passion, ja in die Raserei zu einem gewissen Marcel, einem jungen Schönling aus guter Familie, den praktische Rücksicht hinderte, bei der Manon über die geläufigsten, der Reputation unschädlichen Höflichkeiten hinauszugehen. Für das gewollt Fragmentarische seiner Empfindungen entschädigte

er sich an einer Routinière, bei der nichts zu befürchten war. Und weil Manon, stürmisch hingestrecktes und doch der Klugheit versagtes Terrain, unbequem wurde, machte Marcel, daß sie nach Paris kam, in eine Mädchenpension, in eine fromme, streng verschlossene Kiste, aus der nur an Sonnen-Nachmittagen sehr reglementierte und von den Studenten quer durch den Luxembourg zwanglos verspottete Collektivmärsche hinausführten. Übrigens erledigte Manon die Reise aus ihrer Stadt nach Paris im Auto, selbst lenkend, denn sie besaß das Diplom. In jener boîte nun, gegenüber der uralten Kirche von Saint-Germain-des-Prés, lernte Manon vieles Wichtige in Hinsicht geheimer Korrespondenzen, verabredeter Zeichen, unauffälliger Signale, nächtlicher Anschläge. Sie ersah klug, daß besser als die Unschuldsmiene ein kleines, herzig feilgehaltenes Schuldbewußtsein wirke. So spielte sie das Kind, das sie war — aber das sie nur noch unter gefährlichen Irritationen war. Sie gab ihren geistlichen Patroninnen das verwöhnte Mädchen, auch das unartige, selbst verliebte, kecke Mädchen, aber das alles nur, um wirklich Unerlaubtes zu verdecken. (In Wahrheit war freilich auch dieses Schlimmere, von Manon für unerlaubt gehaltene, nicht schlimm. Ja, selbst als Manon, ein Jahr später, mit aufrichtig gereizter Physis in die Wohnung eines Garçons aus Uruguay lief, da war nicht einmal das schlimm. Denn für reiche Mädchen gibt es nichts Schlimmes. Dies ist der Grund weshalb alle Romane Dramen Essais unter armen Leuten vorgehen.)

In ihrer komplizierten Seelenkunde heiter vervollkommnet, kehrte Manon ins Elternhaus zurück und ward ihrem angebeteten Marcel von neuem so tonisch, daß der, so-oft Manon sich ihm angesagt hatte, immer gleich ins Nebenzimmer die Routinière engagierte, die dann, kaum war die

Bürgerstochter fort, alle Stimmung geruhsam empfing. So sehr verwirrten schon damals kindliche Besuche der Manon jene die häufig keinen sehnlicheren Wunsch hatten, als von ihr in Ruhe gelassen zu werden.

Als, bald darauf, die Routinière, von der Behörde leicht ausgezeichnet, nach Montpellier siedelte, ersann Marcels unerträgliches Gereiztsein das Meisterstück. Er überredete Herrn Camargue: zum Chic einer patrizischen Tochter gehöre die deutsche Sprache. Und so sah sich Manon eines Tages nach D . . . eingepackt.

IV
Olafs Glück und Ende