Lorenz.
Nu, schon wie! Bei ihm heißts: Friß Vogel, oder stirb!

Lottchen. Also so kannst du mich hintergehen? Pfui! das hätt ich nicht von dir geglaubt. Geh, du bist ein abscheulicher Mensch! Doch nein, ich will dich nicht böse machen, ich will dir schmeicheln, ich will dir sagen: du bist der beste, der schönste Lorenz auf der Welt, wenn es auch nicht wahr ist, aber laß mich zu meinem Vater!

Lorenz. Und ich darf nicht. Er hats verboten. Er sagt, Sie sind nicht sein Kind, Ihre Mutter war ein Bettelweib.

Lottchen. Himmel! was ist das? So weit ist es mit ihm gekommen, daß er sein Kind verleugnet? Hat er mir nicht oft erzählt, meine Mutter wäre bald nach meiner Geburt gestorben, und ich wäre sein einziges Kind, von dem er einst Dankbarkeit hofft? Und nun verstoßt er mich? Ach du lieber Himmel, ich habe keine Verwandten, keine Freunde, keinen Vater mehr, wenn du dich nicht um mich annimmst, so muß ich zugrunde gehen. (Geht weinend ab.)

Lorenz (allein).
Was Verwandte, zu was braucht man die? Unser schwarzaugigtes
Stubenmädel ist mir lieber als alle Verwandtschaften auf der
Welt. (Ab.)

Siebenter Auftritt

Wurzel aus dem Kabinett.

Wurzel.
Arie
Ja, ich lob mir die Stadt,
Wo nur Freuden man hat!
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.
In aller Früh treibn s' schon die Ochsen hinaus,
Und da findt man kein einzigen Bauern mehr z' Haus.
Den ganzen Tag sitzt man aufn Pflug,
Trinkt Bier aus ein steinernen Krug,
Und auf d'Nacht kommt man z' Haus, was ist gwest?
Um achte liegt alls schon im Nest!

Drum lob ich mir die Stadt,
Wo man Freuden nur hat.
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.

Jetzt hab ich so viel Bediente,
Steh um halber zwölf Uhr auf,
Trink Kaffee und iß geschwinde
Fünf bis sechs Polakel drauf.