Lorenz.
Freitag.
Wurzel. Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat, ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr Fenster herüber wie ein Aff—Mit der Wacht laß ich ihn noch wegführen.
Lorenz.
Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.
Wurzel. So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt sie mir ein Polster—was ist drauf ? ein großmächtiger Backfisch, aber ohne Kopf,—wie ich meinen drauflegen ist der ganze fertig.—Sie muß den reichen Juwelier heiraten.
Lorenz. Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind ja so ein steinreicher Mann.
Wurzel.
Eben. Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.
Lorenz. Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht. So wenig als ich weiß, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen haben damals, wie mir den Tag drauf die Hütten stehn haben lassen, das Vieh verschenkt, und sein über Hals und Kopf in die Stadt gezogen.
Wurzel.
Das werd ich dir jetzt alles erklären, weil ich durch so lange
Zeit gfunden hab, daß du ein treuer Kerl bist, der mich nie
betrügen wird, (gutmütig) nicht wahr, Lenzl?
Lorenz (heuchlerisch).
Hören Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Tränen in die Augen.
Wurzel. Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dämmerung zwischen acht und neun ganz verdrüßlich von meinen Krautacker nach Haus. Auf einmal machts was: Pst! Pst! Ich schau mich um, so sieh ich quer übern Acker einen magern Mann auf mich zueilen, ein gelblicht grünes Gwand an mit goldenen Borten, so, daß ich ihn anfangs hab für einen Leibhusaren von einer Herrschaft ghalten, er aber bitt mich, ich möchte niemand etwas davon sagen, und er wär ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten, wie außerordentlich er für mich bordiert wär, kurz, er wär der Neid und wollt mich glücklich machen.