Sopie (kniet).
Ich verstehe meiner Kinder Worte nicht, doch wenn meines Mannes
Herz in deinen Zauberbanden liegt und darum sich von uns gewendet
hat, so gib es frei, wir werden dich dafür stets als ein gutes
Wesen ehren.

Lischen (kniet). Hoher Alpenkönig! Ich traue mich zwar nicht, mein Auge zu dir zu erheben, warum? das weiß ich schon. Aber wenn du ein galanter Herr bist, so wird auch die Bitte einer hübschen Kammerjungfer etwas bei dir gelten.

Habakuk (kniet).
Ich bitt auch ganz erschrecklich, Euer gesteinigte Hochheit!

Astragalus (steht auf).
Ich dacht es wohl, es wandle euch Besorgnis an,
Weil mein Geschäft so üblen Anfang nimmt.
Doch sorgt euch nicht, ich bin ein kluger Handwerksmann,
Der seinen Vorteil schon voraus bestimmt.
Denn wenn man sprödes Erz geschmeidig sucht zu biegen,
So lasse man es in des Ofens Bauch erglühn.
Und so muß sein Gemüt in Hassesflammen liegen,
In wilder Leidenschaft die Seele Funken sprühn,
Dann kann ich seinen Wahn durch Überzeugung schmieden
Und seiner Denkart ihre alte Form verleihn.
Von selbst schließt mit der Menschheit er dann neu den Frieden
Und wird sein Wirken freudig ihrem Wohle weihn.
Drum, was ihr Böses mögt in baldger Zukunft schauen,
Wenn ihr bei nächster Sonne wieder ihn erblickt,
Doch mögt ihr kühn und treulich auf mein Wort vertrauen,
Noch eh sie sinkt, hat Alpenkönig euch beglückt.

(Sinkt in seine frühere Stellung zurück. Das Spiegelglas erscheint wieder.)

Sopie. So unerklärbar dieses Phantom mir ist, so hat es doch Trost in meine Seele gesendet. Begleitet mich nach dem Gemach, das uns die Aussicht nach dem Wald hin bietet, vielleicht sehen wir schon einige von den Boten zurückkehren, welche ich nach meinem Manne ausgesendet habe. Dort sollt ihr mir auch Aufklärung über den Alpenkönig geben.

(Sophie, Malchen, August ab.)

Neunzehnter Auftritt

Habakuk. Lischen.

Habakuk. Nein, was einem in unserm Haus für Erscheinungen begegnen, das geht in das Entsetzliche hinüber. (Stellt sich vor Lischen.)