Astragalus. Glaubst du, die Welt sei darum nur erschaffen, damit du deinen Geifer auf ihr Wappen speien kannst? Die Menschheit hinge nur von deinen Launen ab? Dir dürften andre nur, du andern nicht genügen? Bist du denn wahnsinnig, du übermütger Wurm?
Rappelkopf. Sapperment, nicht lang per Wurm, das Ding fangt mich zu wurmen an. Ich gib nicht nach, du bankrottierter Philosoph! Ich bin zu gut, und du zu schlecht, als daß ich länger mit dir red. Drum fort mit dir, der Mond geht auf, und du gehst ab, und künftighin werd ich in meiner Hütten mich verschanzen und herunterstukatieren, wenn sich eins sehen läßt.
Astragalus.
So willst du nicht die Hand zur Beßrung bieten?
Rappelkopf.
Ich biete nichts, und wenn mir's Wasser bis an Hals auch geht.
Astragalus.
Wohlan! So laß uns den Versuch beginnen.
Weil nicht Vernunft kann dein Gemüt gewinnen,
Soll Geistermacht zu deinem Glück dich zwingen,
Und mit dem Alpenkönig wirst du ringen.
Vermeid dies Haus! Sonst tritt auf allen Wegen
Vergangenheit dir leichenblaß entgegen.
Und willst du Elemente Brüder nennen,
Lern ihre Wut und ihre Schrecken kennen.
Der Blitz soll deines Hauses Dach umarmen,
Dann kann dein Herz an Freundesbrust erwarmen.
Weil du die Luft willst statt der Gattin küssen,
Soll dich des Sturmes Angstgeheul begrüßen.
Der Boden soll dich Halbmensch nimmer tragen,
Dann magst du über Erdenundank klagen.
Und daß du mit den Wellen dich kannst streiten,
Will ich die Flut dir bis zur Kehle leiten.
So soll dich Feuer, Wasser, Luft und Erd betrügen.
Dann wähl, ob du dich willst in meinen Vorschlag fügen.
Und wirst du liebend nicht dein Herz zur Menschheit wenden,
So sollst du wildes Tier in Waldesnacht hier enden!
(Rasch ab.)
Rappelkopf (allein).
Das ist ein schrecklicher Kerl. Und ich tu doch, was ich will.
Just! Du sollst mich nicht um meinen Schlaf heut bringen. Gute
Nacht, Freund Wald, ihr Eicheln, lebet wohl, zum Frühstück
finden wir uns wieder.
(Will gegen das Haus. Beim Öffnen der Tür sitzt Victorinens Geist auf einem Stuhl. Sie ist in blaue Schleier gehüllt und sieht gespensterartig aus. Ihr Gesicht ist bleich und die ganze Gestalt von einem grünen Schirm beleuchtet. Sie spricht mit halblauter Stimme.)
Victorinens Geist.
Wo bleibst du denn so lang, du liederlicher Mann?
Und kommst so spät erst in der Nacht nach Haus.
Gehst gleich herein, mir wird schon angst allein,
Sonst rauf ich alle Haar dir aus.
Rappelkopf.
Himmel! das ist mein erstes Weib, die erkenn ich, weil sie die
Herrschaft noch im Grab behauptet. Da bringt mich niemand bei
der Tür hinein. Die hat den Satan in den Leib. Wenn nur das
Fenster offen wär! (Es donnert.) Jetzt fangts zum donnern an.
(Am Fenster zeigt sich, ebenso wie Victorinens, Wallburgas
Geist und sieht heraus.) Wer schaut denn da heraus?
Wallburgas Geist (mit hohler Stimme).
Ich bins, du falscher Mann, du Ungetreuer du!
Warum hast du nach mir jetzt schon das zweite Weib?
Und ich hab dich so lieb, hab selbst im Grab kein Ruh,
Ich schau kein andern an, kann ohne dich nicht leben.
Drum komm herein, ich muß dir Küsse geben.