Thomas (schlägt in Flottwells Hand). Potz Sturm und Klippen denn, es gilt. Doch hört, daß uns das Frauenzimmer da nicht etwa schreit. Die See ist wie mein böses Weib, wenn man sich fürchtet, treibt sies immer ärger, doch schlägt man mit dem Ruder tüchtig sie aufs Maul, da gibt sie nach. Nun kommt!

Flottwell. Nun auf gut Glück!

(Sie gehen alle vier nach dem Schiff. Musik beginnt. Nach einigem Herumwerfen des Kahns steuern sie fort. Das Gewitter wütet. Es schlägt ein. Dies drückt die Musik aus. Seemöven fliegen über die Bühne. Doch plötzlich läßt der Sturm nach, die Wogen gehen niedrer. Der Mond wird zur Hälfte zwischen den Wolken sichtbar und wirft seinen Schein auf den Bettler, welcher auf einem kleinen kaum bemerkbaren Kahn mit einem vom Sturme zerrissenen Segel gebeugt sitzend sachte vorüberfährt. Die Musik spielt die Melodie seines Bettlerliedes. Wenn er fort ist, vermehrt sich der Sturm, und die Kortine fällt.)

Dritter Aufzug

Zwanzig Jahre später

Erster Auftritt

Flottwells Schloß, wie zu Anfang des zweiten Aktes, nur das
Stammschloß in der Ferne ist zur Ruine verfallen.

Flottwell, ganz aussehend wie der Bettler, sitzt beim Aufgeben
der Kortine an demselben Platz, wo der Bettler saß. Wenn die
Eingangsmusik, welche bei Eröffnung der Bühne noch mehrere
Takte fortdauert, geendet ist, steht er auf.

Flottwell. So seh ich dich nach zwanzig Jahren wieder, du stolzer Freudentempel meines sommerlichen Lebens. Du stehst so ernst und sinnend da, gleich einem Monument ins Grab gesunkener Glückseligkeit. Die alte Fröhlichkeit scheint auch aus dir gewichen. Einst schallte Jubel aus den Fenstern dieses Marmorsaales. Silberne Würfel kollerten noch auf dem grünen Tisch. Berauschte Spieler stürzten auf mein Wohl die goldnen Becher aus, und übermütge Freude schwang die riesgen Flügel. Nun ist es stumm und still geworden. Der Morgen hat schon lang sein frohes Lied gesungen, und jene Pforte ist noch immer fest verschlossen. Oder blickst du nur in diesem Augenblick so ernst, weil dein Begründer so dich wieder grüßt? Seit ich dich nicht gesehen, hat sich mein Schicksal sehr geändert. Ich habe Gattin, Kind und all mein Gut durch eigne Schuld verloren. Verfolgung hab ich hier wohl nimmermehr zu fürchten, denn Flitterstein, mein größter Feind, ist in der Schlacht gefallen. Doch wo soll ich in dieser Lage nun um Beistand flehen? Der edle Präsident— er hat uns ja vor seinem Tode noch verziehn—ist lang hinüber. An einige Freunde hab ich schon geschrieben, doch niemand will den armen Julius mehr kennen. Drum will ich noch das letzte wagen. Ich will nach Bettlerweise einem Fremden mich vertrauen. Will dem Besitzer dieses Schlosses sagen, daß ich der erste war, dessen Aug mit Herrenblick in diesem holden Eigentum geschwelgt, und daß ich nun nichts mein zu nennen hab als diesen Bettelstab. Vielleicht, daß ihn die Größe meines Unglücks rührt. Hier kommt der Gärtner auf mich zu! den will ich doch befragen.

Zweiter Auftritt