hermione. O ihr Götter! Wodurch verdient ich euren Fluch? Erniedrigt—und vor wem? Vor meinem eigenen Geschlecht. Wenns noch ein mächtger Zauberer wär—doch daß es Weiber sind, die mich besiegt, das kränkt mich gar so tief! Und wenn ich, gleich dem Argus, hundert Augen hätte, so würde jedes sich mit Tränen füllen über diese Schmach. O Amphio, könntest du den Schmerz mir tragen helfen! Doch halt! Hat das Orakel nicht bestimmt: daß, wenn ich einen Gatten wähle, die Macht der Zauberbrut vernichtet ist? Doch, darf ich meinem Volke sagen, daß ich einen Hirten liebe? Und kann ich einen andern wählen? Ich vermag es nicht. Es sind nicht Amors Rosenketten, die mich an ihn binden, eherne Bande sind es, die mein Herz an seines schmieden. Doch wie—hat Minerva mich berührt?—So gelingt es —so muß er siegen!—So wird er mein, ich kann auf seinen Geist vertrauen. (Der Narr sieht zur Kulisse herein.) Was suchst du, Narr?
9. Szene
narr. Dann distichon. affriduro. odi. volk. vorige
narr. Ich muß rekognoszieren. Sie trauen sich nicht herein. Nur herein, ihr florianischen Helden, der Feind ist fort, ihr habt gesiegt.
alles (kommt gelaufen und stürzt zu Hermionens Füßen). Heil, Hermione, ewige Treue geloben wir dir!
distichon. Nur einen Augenblick hat uns die Furcht besiegt; sie ist vorbei, jetzt bau auf unsre Kraft.
hermione. Ich bau auf sie, wie auf die Reize dieser Flur.
alles (blickt hin). Ha, was ist das?
hermione. Ein blühend Bild von eurem Mut; er ist so treu, wie dieser Sumpf, wer auf ihn baut, sinkt ein. Darum will ich nicht länger ihm mein Wohl vertrauen, ich befolge des Orakels Wunsch. Noch heute abend soll mein Land gerettet sein, ich will noch heute mich vermählen, damit die morgige Sonne der Zauberinnen Ohnmacht schon bescheint. Affriduro, eile hin und schmück den Tempel des Apoll; in einer Stunde seid ihr dort versammelt und höret meinen Eid: "Dem reich ich heut noch meine Hand, der, bis die siebente Stunde tönt, mir ein Gedicht ersinnt, das an Wert hoch über allen andern steht." Es gelte gleich, welch Land ihn auch gezeugt, ob ihn ein Lorbeer schmückt, ob er den Hirtenstab erwählt. So fordre ich in die Schranken eure Poesie; weil ihr nicht kämpfen könnt um mich durch eurer Sehnen Kraft, so kämpft um mich mit kräftigen Gedanken. Die Phantasie trag euch die Fahne vor, Vernunft steckt auf den Helm, der Witz sei euer Pfeil, die Verse stellt in dichte Reihen, statt der Trompete laßt den Reim erklingen; so rücket vor und kämpfet um den Preis: Drei Kronen bietet er zugleich, Mein Herz, den Lorbeer und dies Reich. (Ab.)
affriduro (mit den Götzendienern zur entgegengesetzten Seite ab).