odi. Dann rief begeistert sie: "Nur ein Genie, das so die Liebe schildern kann, ist meiner Liebe wert."
distichon (beiseite). Wars mein Gedicht, bin ich der Glückliche?
odi. Doch in dem Augenblick kam Amphio mit ihrer Lilienherde, und ich ward verscheucht.
affriduro. Sag mir doch, Odi, wie kommt Amphio, ein Fremdling hier im Lande, zu der Ehre, Hermionens Lieblingslämmer zu bewachen?
odi. Das will ich euch erzählen. Dieser Hirt scheint mir nichts Gewöhnliches zu sein. Der Aufseher der fürstlichen Herde ward vor einem Jahr von einer Schlange überfallen, die ihn getötet hätte, wenn nicht ein junger Wanderer aus einem Busche springt und sie erschlägt. Amphio war der kühne Jüngling, er forderte keinen Dank, als einen kleinen Dienst in unserem Land; er wäre eine Waise, sagte er, und suchte unter fremden Völkern nun sein Glück, da ers in seiner Heimat nicht gefunden hat. Der Aufseher, von Dankbarkeit bewegt, erinnert sich, daß er einen Stier besäße, welcher goldne Hörner trägt. distichon. Goldene Hörner? Hätt ich diesen Stier, das wär ein Kapital!
narr. Mir wär ein Hirsch mit goldnem Gweih viel lieber, der wirft doch alle Jahr Interessen ab.
odi. Nun stellt euch vor, von Dankbarkeit bewegt, ernennt er ihn zum Hüter dieses Stiers.
narr (weint). O, edler Mann! O schöne Vermundschaft! Wie war denn das? Hat der Ochs ihm befohlen oder er dem Ochsen?
odi. Das letztere.
narr. Das ist doch noch ein Glück. Ich hab das erste auch erlebt schon in der Welt.