alle. Apoll, wir preisen dich.

amphios gedicht.
Die Nacht zieht fort ins ewig finstre Heimatsland,
Die Welt umkränzt ihr Haupt mit Phöbus Strahlenband,
Und wie Auror die Erd in Purpur hüllt,
Entdeckt sie einen Jügling, gramerfüllt.
Ein Königssohn ists, der die Nacht durchweint
Und seines Auges Tau mit dem des Morgens eint.
Aurora grüßt ihn sanft und strahlt ihm Trost ins Herz,
Da fleht er zum Apoll, gibt Worte seinem Schmerz.
Im Wunderland, das meines Vaters Reich begrenzt,
Wo die Natur im tausendfarbgen Schmuck erglänzt,
Thront meiner heißen Liebe Königin.
Mit zartem Reiz vereint sie hohen Sinn,
Es haben sich die anmutsvollen Musen
Zum Sitz erkoren ihren holden Busen,
Und wie sich Daphne einst dem Dichtergott entwand,
So reichet sie nur einem Dichter ihre Hand.
Darum, Apoll, magst du nur schnell die Muse senden,
Soll Amors bittre Qual nicht bald mein Leben enden!
So jammert er und fluchet seinem Leben;
Da faßt sein Herz ein namenloses Beben,
Mit seinem Schmerz fühlt er die Freude ringen,
In Wolken hört er Harmonien klingen,
Es schwebt die Phantasie auf Rosennebel nieder
Und schwingt im Morgenstrahl ihr glänzendes Gefieder.
"Mich hat Apoll gesandt, ihn rühren deine Leiden,
Vertauschen wirst du sie mit Hymens Götterfreuden."
So spricht die Phantasie, ergreifet seine Hand
Und schwebt mit ihm nach Hermionens Land.
Zwei kühne Aars, durchsteuern sie die Lüfte
Und rauschen nieder in das Reich der Düfte.
Dort wandelt sich der Prinz zum stillen Hirten um
Und sucht durch Poesie zu gründen seinen Ruhm.
Ihn sieht die Königin; er weiht ihr sein Gedicht,
Da faßt sie ein Gefühl, ihr Herz erklärt sichs nicht,
Es kämpft ihr Stolz, sie will den Kühnen hassen,
Doch Eros spricht: "Du darfst ihn nimmer lassen."
Ein Preisgedicht läßt sie im Land verkünden,
Nur mit dem Sieger will sie sich verbinden.
So wie der Fels im Meer trotzt sturmbewegten Wellen,
Will des Geliebten Geist auf gleiche Prob sie stellen.
Schon harrt das Volk, da kommt der Hirt heran,
Trägt Wahrheit vor, nicht was die Dichtung sann,
Dann tritt er auf und fordert seinen Lohn:
Die Hand der Königin und Floras Thron.
Wagt kühn den Kauf und schließt mit ihr den Herrscherbund,
Denn wißt, ich bin der Sohn des Königs von Athunt.

alle (freudig). Heil dem Sohn des Königs von Athunt! es lebe unser neuer Herrscher!

zauberschwestern. Verdammt! distichon. Das Gedicht hat eine Menge Fehler.

hermione (stürzt in Amphios Arme). O Amphio! Mein Prinz! O nehmt mein Herz, mein Reich und meinen ewgen Dank!

nachtigall. Jetzt steh ich frisch.

amphio (stürzt zu den Füßen der Phantasie). Nur ihr gebühret unser Dank.

alle. Wer ist das?

phantasie (wirft den Mantel ab). Ich bin die holde Phantasie, die euch nicht retten konnte, bis mich Jupiter befreit, weil ich gefangen in den Händen eurer Zauberschwestern war.

vipria und arrogantia (verwandeln sich schnell in ihre wahren Gestalten um).