Atritia. Ein mächtig großer noch dazu. So groß fast wie ein Haus, so hat mir meine Angst ihn wenigstens gemalt.

Ewald. Hast du ihn schon gesehn?

Atritia. Ei freilich wohl, er nähert sich der Stadt, verwüstet alle
Fluren und hat ein Mädchen erst zerrissen, das heute als die
Schönste wär' gewiß erwählt worden.

Ewald. Ist heut dieses Fest?

Atritia. Ja, heute soll es sein, der Tempel ist schon reich geschmückt, und alle Mädchen dort versammelt, doch als der König eben sich dahin begeben wollte, im feierlichen Zug der Krieger, da kam die Nachricht schnell, daß sich der Eber zeigt und auf den Feldern wütet. Da ließ der König alles, was nur Waffen trug, zum blut'gen Kampfe gegen den Eber ziehn. Drum findest du die Straßen leer.

Ewald. Dann ist die höchste Zeit, daß ich zu Werke schreite. Ich bin ein Mann von Ehre und deiner Liebe wert, doch sag' mir, holdes Kind, wo find' ich wohl ein altes Weib mit sechzig Jahren, das noch so eitel ist, daß sie für schön sich hält?

Atritia. Wo finde ich sie nicht, so solltest du mich fragen, die gibt's wohl überall, das hab' ich oft gelesen. Obwohl die Frage nicht sehr artig ist, so wirst du gar nicht lange suchen dürfen, wenn du noch eine Weile mit mir sprichst, denn meine Muhme wird bald nach Hause kommen und dich von ihrer Tür verjagen.

Ewald. Ist sie so böse?

Atritia. Leider ja. Als meine Mutter starb, ward ich ihr übergeben und vieles Geld dazu. Sie mußte mich erziehen, das tat sie auch, doch von dem Gold, was ihr die Mutter hat für mich zum Heiratsgut vertraut, da will sie gar nichts wissen. Sie schlägt mich auch, wenn sie oft Langeweile hat, erst gestern noch, weil ich mich zu dem Feste schmücken wollte, das gab sie denn nicht zu, sie sagt, mich braucht kein Mann zu sehen. Das hat mich sehr geschmerzt, ich wünsche mir doch einen Mann, und wie soll mich denn einer frein, wenn mich nie einer sieht?

Ewald. Da sprichst du wahr, doch einer hat dich ja gesehn.