(Alles eilt auf Phalarius zu.)
Chor.
Du sollst nach Hofe kehrn, Phalar',
Der König will's—
(Die Krone erblickend und erschrocken zurückweichend.)
Ha, welch ein Stern,
Den ich auf deiner Stirn' gewahr'?
Er hält mich drohend von dir fern.
Wie kann sein Anblick doch erschüttern,
Mich reißt's zur Erd' mit bangem Zittern,
Die Angst erpreßt den Ausruf mir;
Sei gnädig, Fürst,—ich huld'ge dir!
(Alle sinken bebend auf die Knie.)
Phalarius (wild lachend).
Ha, ha, was läßt mir wohl Kreon befehlen?
Antrogäus. Blick' mild auf uns, dein Auge kann entseelen.
Es sendete Kreon nach dir uns aus,
(Spricht mit beklemmter Brust.)
Dich heimzuleiten nach dem Fürstenhaus,
Wo sich die Freude wälzt, Bachanten winken,
Dort sollst du reuig an die Brust ihm sinken
Und Abschied deinem düstern Grolle geben,
Dafür wird er zu neuer Würd' dich heben.
Phalarius. Verflucht sei der, der mir von Reue spricht!
(Zieht sein Schwert und verwundet ihn.)
Bereue du, wenn dir das Auge bricht!
(Antrogäus wird in das Gebüsch geführt.)
Verwahrt die Brust, mein durst'ger Stahl will trinken,
Er wird noch oft in Purpurscheide sinken.
Nun rafft euch auf und horcht auf mein Befehlen.
Ich will der Stadt ein Märlein dort erzählen;
Von einem Siegesfest, wo die Mänaden wüten,
Der Sieger nur allein muß drauß' im Walde brüten.
Von mächtig strahlender Kron', die ihm der Orkus schenkt,
Von wüt'gem Rachgefühl, das seine Waffe lenkt,
Von güldenem Palast am diamantnen See,
Wo Freudentaumel herrscht, nicht ahnend baldiges Weh.
Vom Brand, der ihn ergreift, vom grausen Angstgeschrei,
Von Kreons letzter Stund', verzweiflungsvoller Reu'.
Von Feinden waffenlos, die froh im Tanze schweifen,
Von Kriegern roh und wild, die sie wie Schergen greifen.
Vom glühenden Balkon, von dem man auf mein Winken
Sie wild frohlockend stürzt, daß sie im See ertrinken;
Dies Märchen wollen wir der Stadt zum besten geben,
Und wenn sie drob' erbleicht, soll Frohsinn uns beleben.
Dann wird auf des Palastes schwarz gebrannten Trümmern
Der glänzende Pokal wie Sonnenaufgang schimmern,
Und unsre Fabel geb' zum Schluß der Welt die Lehre;
Daß unbewachtes Glück nicht lang auf Erden währe.
(Für sich gemäßigter.)
Ich will das meine wahrn, mich sehe keiner fallen,
Und müßt' es auch geschehn, mein Ruhm kann nie verhallen.
Ich ringe mit der Zeit, es muß nach tausend Jahren
Die Sage von der Kron' die Nachwelt noch erfahren.
(Alle ab, die Bäume biegen sich abwärts.)
Fünfte Szene.
Lucina (schwebt schnell auf Rosenschleiern, die auf weißen Wolken
ruhn, auf die Erde nieder, Angst beflügelt ihre Worte).
Was hört' ich für Flüche im Hain hier ertönen?
Es beben die Lüfte, die Felsen erdröhnen,
Hin brauset der Frevler durch waldige Nacht,
Zu liefern die gräßliche Höllenschlacht.
So mußte auf Erden ein Bösewicht reifen,
Der's wagt, nach der schrecklichen Krone zu greifen.
Agrigent ist verloren, es jammert die Welt,
Wenn ihn nicht die Macht der Erinnyen fällt.
Was soll ich beginnen, ihr blutigen Stunden,
Zu strafen den Frevel, zu heilen die Wunden?
Er muß ja die grausame Tat erst vollstrecken,
Will ich hier die rächenden Furien wecken.
Nur Tod sprengt des Fatums gewaltige Ketten,
Drum muß ich das Leben des Königs erretten.
Schon rennt durch die Straßen der gierige Troß,
Es werde die Wolke zum flüchtigen Roß.
(Die Wolke verwandelt sich in ein schwarzes Roß mit goldenem Zaum.
Lucina setzt sich schnell auf selbes.)