Hoanghu. Wer bist du, Lichtgestalt?

Genius. Ich bin die Tugend, deiner Gattin, deines Landes Schutzgeist. Deine Gattin hat in deinem Reich mir einen Tempel auferbaut, drum hat Moisasur sie verflucht, wie sie dein Traum gemalt, so lang, bis die Unmöglichkeit erfüllt, die zur Bedingung er gesetzt.

Hoanghu. Das heißt, die Ewigkeit mit anderem Namen nennen.

Genius. Alles kann die Gottheit wenden, und zum Werkzeug hat sie dich ersehen. Die höchste Probe hast du diesen Augenblick bestanden. Du kannst Reich und Gattin retten, weil du dein Leben unter deine Liebe stellst.

(Genius winkt: Die Gegend verwandelt sich in einen Wolkenhain. Die Statue der Tugend, vor ihr ein Opferaltar. Die Geister der Tugend in Gruppen, im Hintergrunde eine große diamantene Sonne.)

Genius. Schwöre hier, am Weihaltar der Tugend, auf ihrer Lilie heil'gen Kelch, daß du ihr jedes Opfer bringest, wenn sie es gebeut.

Hoanghu. Ich schwör's, und wenn ich breche meinen Eid, so soll die Quelle meinem Durst versiegen, der Baum die Früchte selbst verzehren; so will ich König sein in menschenleerer Wüste, will schlaflos mich im heißen Sande wälzen, und wenn mein Leib an solcher Glut vergeht, soll die Sonne meinen Geist aus ihrem Reich verbannen, und Moisasur ihn an seine Ferse heften.

(Hoanghu kniet, der Genius berührt sein Haupt mit der Lilie.)

Genius.
So will ich dich durch dieser Lilie Kraft,
Die alles Edle und Erhabne schafft,
Zum Retter deiner Gattin weihn.
In des Abends sanften Schein
Wirst du wieder mich erblicken,
Und auf leichter Wolken Rücken
Schweb' ich mit dir eilig fort,
Bis wir landen an dem Ort,
Wo in unbekannter Ferne,
Durch die Macht der bösen Sterne,
Deiner Gattin Leiden weilen.
Doch jetzt muß ich von dir eilen
Und des Abgrunds Tiger wecken,
Er muß seine Klauen strecken
Nach der Tugend Lilienbrust;
Bis wir sie mit Götterlust
Allem Ungemach entrücken,
Sie an unsern Busen drücken
In beglückter stolzer Ruh';
Nun leb' wohl, mein Hoanghu.

(Genius fliegt ab.)