Mansor. Lästre nicht! Der Tugend Tempel ist's.
Bote. Ja, ihm soll man das Laster opfern.
Mansor. Es ist geschehn. Dem bösen Geiste Moisasur wird in unsrem
Reich kein Opfer mehr gebracht.
Bote. Wehe dann dem Diamantenreich! Schon seit Jahrhunderten hat diesem grimmigen Tiger durch unzähl'ge Opfer man geschmeichelt; werft ihm Beute vor, wenn ihr nicht wollt, daß euch sein stets geschäft'ger Zahn zerreißt.
Mansor. Die Königin, die, seit der König kriegt, das Zepter schwingt im Reich, hat, weil der Krieg, trotz all der reichen Opfer, die man unsern Göttern brachte, sich doch nicht glücklich wenden wollte, mit den weisen Priestern sich beraten und glaubt, daß die guten Götter zürnen, weil neben ihnen und der mächtgen Sonne Moisasurs böser Geist verehret wird. Sie hat Moisasurs Tempel niederreißen lassen. Doch wie's geschah, da rollte fürchterlicher Donner, die Erde bebte, als hätte das Gewicht der umgestürzten Säulen das ganze Reich in seinem Mark erschüttert.
Bote. Der Löwe brüllt, wenn man ihn ans der Höhle treibt.
Mansor. Doch wie die Erde bebt, fest steht der königliche Sinn.
Sie läßt dafür in diesem Tal der Tugend einen Tempel bauen und
schreibt auf ihn: Wer sich der Tugend weiht, hat nie des Bösen
Macht zu scheuen. Soeben wird er eingeweiht, dort nahet schon die
Priesterschar.
Mohr. Wenn nur die Tugend uns vor Moisasurs Rache schützt! Den ganzen Morgen hat der Himmel sich mit Donnerwolken überzogen, die in sich brummen, als ob sie Zaubersprüche murmelten, und der Blitze Feuerzungen lecken an der Kuppel dieses Tempels.
Zweite Szene. Feierlicher Marsch. Indische Tänzer schweben voraus, dann die Priester der Sonne. Zierlich gekleidete Mädchen, das Haupt mit weißen Rosen bekränzt, gruppieren sich um die Stufen des Tempels, die Priester beschäftigen sich im Innern desselben. Dann erscheint Alzinde und ihr Hofstaat. Sie begibt sich auf einen Seitenthron, neben ihr die Großen des Reichs. Das Volk verteilt sich um den Tempel und den Thron gegenüber. Vorige.
Chor.
Singt das Lob der Schönheitsblume,
Die auf Indiens Flur erblüht,
Und die zu der Götter Ruhme
Für das Heil der Tugend glüht.
Sende deinen Strahl, o Sonne!
Nieder auf ihr weises Haupt,
Weil ihr Herz mit frommer Wonne
An der Götter Allmacht glaubt.