Alzinde. Du brauchst sie schon, du heuchelst nur. Wenn euer Geiz hier Tränen preßt aus des Bedrückten Auge, deren Wert nur in der Größe ihrer Wehmut liegt; wie unendlich muß die Wollust sein, mit der ihr diamantne fallen seht!
Amtmann. Vergiß die Achtung nicht, die du mir schuldig bist.
(Sehr zornig, doch durchaus edel.) Sie ist wahnsinnig, der Satan
spricht aus ihr. Zum letzen Mal, hast du die Tränen hier geweint?
Wenn du nicht antwortest, so werd' ich dich anders behandeln.
Alzinde (fährt empor). Anders? (Stolz.) Vergiß dich nicht, du Sklave, denke, ich bin eine Königin! (Sinkt in einen Stuhl, an dem sie steht.) Ach—(matt) ich war eine Königin, du beweisest mir, daß ich es nicht mehr bin. Nicht länger will ich mich entweihn. (Mit Nachdruck.) Ja, ich habe sie geweint, ich schwör' es bei der ew'gen Sonne dir.
Amtmann. So beweisest du mir, daß du eine Hexe bist. Ins Gefängnis fort, das Landgericht wird bald dein Urteil fällen, und vielleicht ist schon die nächste Sonne, die dein Blick begrüßet, auch die letzte, die dir scheint. Verstehst du mich, verwegnes Weib?
Alzinde. Ha! seht den stolzen Pfau, wie er mit schönen Federn prahlet, und wie so häßlich seine Stimme tönt. Leb' wohl und glaube nicht, du hattest mich gerichtet; die Götter sind's,
und du ein Werkzeug ihres großen Plans. Darum vergeb' ich dir, du übtest deine Pflicht, du hast mich nur verkannt. Und nun erlaube mir, daß ich zu diesen sprechen darf, zu diesen, deren schlichtes Kleid ein Herz bedeckt, das sich die Tugend hat zum Heimatland erwählt. Wie soll ich euch, ihr Teuren, danken, daß ihr mich aufgenommen und getröstet habt, als mich die Grausamkeit von ihrer Schwelle stieß? O Sonne, deren Strahl beglücken kann—(tritt in ihre Mitte, nimmt sie beide an der Hand), wenn du vergelten willst, was ich erdulden muß, so vergilt an diesen hier. Schenke Frieden ihren Herzen und laß ihre Ehe glücklich sein, wie es die meine war. (Bricht plötzlich ab; mit Schmerz.) Lebt wohl, ich bin bewegt, (leise) ich will bewegt sein, muß es sein. O ihr Götter, laßt mich weinen! (Weint—leise.) Seht, es fließen meine Tränen, hascht sie heimlich auf, daß es jene nicht bemerken. (Hans hält den Hut, Mirzel die Schürze auf, alle drei sind im Vordergrunde, damit der Amtmann nichts bemerkt, doch vermeide man allen Anstrich des Komischen.) So, so, behaltet sie, verberget sie, und wenn ich nicht mehr bin, erinnert euch der unglücklichen Königin Alzinde. (Zu den Gerichtsdienern stolz.) Nun folg' ich ins Gefängnis euch.
(Mit zwei Gerichtsdienern ab.)
Amtmann (steht auf und sagt zum Aktuar). Schließen Sie,. und legen Sie es auf mein Pult. (Aktuar ab.)
Vierzehnte Szene.
Amtmann. Rossi. Hans. Mirzel.
Rossi (der bewegt war unter dem Schluß der Szene). Was geschieht mit diesem Weib, Herr Amtmann?