Vater Ziemens. Und der junge Doctor von ihr.

Frau Ziemens. Dies nützte die Unglückliche in ihrer Noth. —

Vater Ziemens. Meine Ahnung!

Frau Ziemens (ihm den Brief gebend, welchen Albert in seiner Hand hält). Lies aber den Brief hier, den der vom braven Albert schrecklich Enttäuschte nun reumüthigst an sie richtet. Aus ihm erhellt, daß Marie in seine thörichten Bedingungen nur listig willigte und ihre Ehre rein blieb.

Vater Ziemens (sich weigernd den Brief zu nehmen). Dessen — dessen bin ich gewiß.

Frau Ziemens (zudringlich). Erbaue Dich an der herablassenden, schmeichelhaften Sprache.

Vater Ziemens (nimmt; nachdem er gelesen und die Kinder mit schmerzhaften Blicken betrachtet). Ebenbürtig an Geist und Gefühl steht Ihr Euch gegenüber; ein Gedanke, eine Liebe paart Eure Herzen; Euch fehlt zur Glückseligkeit nichts! und nun, was ist's, daß sich feindlich zwischen Euch stellt, Eure Harmonieen mit rauher Hand verstimmt?! Der Menschheit Jammer, des Wahnes Schreckgestalt? das klägliche Gebilde alles Zeitlichen, in das Geburt und Grab Euch mit verwebt?! Weh, seid Ihr verloren — Ihr seid — und keine Zufluchtsstätte sehe ich mehr, kein Ziel für Eure Wünsche?! Die Gottheit selbst versagt Euch Schutz?! (Kleine Pause.) Hoch geht das wilde Meer, der Hoffnung starker Kiel zerschellt und trostlos an die nächste Planke festgeklammert, treibt Euch des Schicksals finstre Welle auseinander!

Frau Ziemens. Unseliger, trankst Du noch nicht genug den bittern Leidenskelch?!

Vater Ziemens. Was wünschest Du, daß ich den Edelmüth'gen rathe?

Frau Ziemens. Sich den Verhältnissen zu fügen!