Fröhlich plauderten sie miteinander. Beate entschuldigte Rolf wegen seines Fernbleibens, da er im Kasino erwartet würde. Martina warf da einen eigentümlichen Blick auf die junge Frau; die sah ganz unbefangen aus, schien also nicht zu ahnen, in welcher Weise über Rolfs Verkehr bei Maltens gesprochen wurde. Es war jetzt hohe Zeit, daß Hauptmann Berthold einige ernste Worte als Kamerad zu dem jüngeren Kameraden sprechen und ihn auf das Unbedachte seiner Handlungsweise aufmerksam machen mußte, ehe Beate von anderer Seite erfuhr, daß er Viola Düsing in einer Weise huldigte, die für einen verheirateten Mann nicht passend war.

Mitten in ihr Plaudern hinein meldete das Mädchen: »Herr Professor Scharfenberg.«

»Bitten Sie Herrn Professor, sich sogleich nach oben zu bemühen.«

Martina ging dem Eintretenden entgegen, ihm beide Hände entgegenstreckend. »Herzlich willkommen, lieber Freund.« Nachdem er seine Glückwünsche dargebracht hatte, begrüßte er Beate, die er seit Monaten nicht gesehen. Sie hatte das Kind gerade auf dem Arm und drückte dessen Köpfchen süß beschwichtigend an ihre Brust; denn bei dem Eintritt der fremden Person wollte es anfangen zu weinen. Wehmütig ruhte sein Auge auf der heimlich geliebten Frau, die ihm so hold und weich in ihrer jungen Mutterwürde erschien.

»Nun, was sagen Sie, lieber Professor, zu dem kleinen Hagendorf? Habe ich Ihnen zu viel vorgeschwärmt? Sehen Sie sich ihn getrost in der Nähe an«, scherzte Martina arglos; denn sie ahnte ja nichts von dem, was diese beiden ihr so werten Menschen einst miteinander verbunden hatte. »Nehmen Sie ihn mal einen Moment, und Sie werden sehen, was für ein Prachtkerl er ist — da« — —

Ohne weiteres nahm sie ihn der hocherrötenden Beate vom Arm und gab ihn dem Professor. Der neigte sich tief über das Kinderköpfchen, damit man ihm das mächtige Gefühl nicht ansah, das ihn bewegte.

»Allerdings, Sie haben recht, liebe Freundin«, sagte er dann mit leicht bebender Stimme, und zu Beate: »Ich beglückwünsche Sie zu dem Kind, gnädige Frau.«

»Er hat mir bis jetzt auch — unberufen — noch keine Sorgen gemacht«, meinte sie, etwas befangen.

»Nun ja, wer eine wirkliche Doktorin als Mutter hat — Spaß! Die versteht doch alles aufs genaueste,« scherzte Martina.

Mittlerweile hatte er das Kind in den Wagen gelegt. Karl Friedrich war ganz zutraulich geworden. Mit den großen dunklen Augen — es waren die der Mutter — sah er zu dem fremden Mann auf und faßte nach dessen Uhrkette, die er nicht loslassen wollte.