„Hast Du denn keine Angst vor Gespenstern?“
„Nein, wahrhaftig nicht!“ erwiderte Percy mit herzlicher Überzeugung. „Ich denke gar nicht an Gespenster. Wenn ich im Bette bin, denk’ ich immer an Engel.“
„So?“
„Ja, und das ist auch viel vernünftiger. Wir haben alle einen Schutzengel, das ist sicher; ob es aber irgendwo Gespenster giebt, wer kann das wissen? Meine Mutter hat mich immer ermahnt, nach dem Abendgebet nur an Gott und an meinen Schutzengel zu denken, aber nie an schauerliche Sachen. Ist das nicht ein guter Rat?“
„J—ja,“ war die unsichere Antwort; Prescott merkte, daß ihn Percys fromme Beredsamkeit ganz aus seinem Fahrwasser brachte.
„O wie gern möchte ich einmal meinen Schutzengel sehen! Er sieht mich immer und hat mir schon so viel Gutes gethan! Deshalb möchte ich ihn gar zu gerne auch einmal anschauen dürfen. Nur eines würde mich in Furcht setzen, wenn er mir erschiene.“
„Was?“ fragte Prescott trocken.
„Die Sünde, die schwere Sünde. Wenn ich eine Todsünde auf dem Gewissen hätte, würde ich mich fürchten, ihn sichtbar zu erblicken. — Die Engel müssen wunderschön sein. Meinst Du nicht auch?“
„Ich denke,“ erwiderte Prescott zögernd.
„O, ich bin überzeugt davon!“ rief Percy voll Begeisterung. „Eines der schönsten Bücher, die ich kenne, ist das von Faber: ‚Erzählungen über die Engel‘. Kennst Du es?“