„Vorwärts, Percy!“ drängte Kenny in drohendem Tone; „keine Umstände!“
Das hilflose, geängstigte Kind brach in Thränen aus, stand auf und machte einen neuen Versuch, seinen Bedrängern zu entkommen.
Aber Kenny faßte noch heftiger als das erste Mal Percys Arm.
„Nichts da, Wynn! Du thust, was ich will! Oder willst Du einen Faustkampf mit mir probieren?“ Dabei erhob er die geballten, kräftigen Fäuste. „Wir werden uns schon am rechten Orte treffen; ich will es Dir auch wohl zeigen, so gut wie den Purzelbaum.“
„Das lässest Du schön bleiben!“ rief eine neue Stimme von hinten, und zwei starke Ellenbogen pufften unsanft die saubern Freunde auseinander, daß sie sich mit lautem „au! au!“ an die getroffenen Stellen griffen; ein anderer Zögling, den das Spiel zufällig in diesen Winkel geführt hatte, trat neben den gequälten Percy. Sein jugendfrisches Gesicht glühte vor Entrüstung und seine Augen richteten sich zornig auf die fünf edlen Brüder.
„Schäm’ Dich, Kenny!“ rief er. „Sobald ein Neuer im Haus ist, fällst Du mit Deiner Bande über ihn her. Ihr seid ja selbst noch neu! Packt Euch fort! auf der Stelle! oder ich sorge, daß Ihr erfahrt, wie man sich in Maurach zu betragen hat.“
Der Redende war kleiner und offenbar auch etwas jünger als Kenny und die meisten seiner Genossen; aber der da vor ihnen stand, war ja Tom Playfair, der gefeiertste unter den jüngeren Zöglingen, Tom Playfair, dessen Haupt eine Reihe seltener Knabenthaten, worunter die glorreiche Verteidigung einer Schneefestung gegen mehrfache Übermacht noch die geringste war, mit einer strahlenden Ruhmeskrone umgeben hatte. Kenny und seine Genossen hatten das allerdings selbst nicht miterlebt, sie gehörten ja erst seit vierzehn Tagen der Anstalt an; aber die Berichte der älteren Zöglinge hatten ihnen bereits vieles mit weiteren Ausschmückungen zugetragen. Kein Wunder also, wenn sie es mit ihm wenigstens nicht ganz verderben wollten.
Zudem war der Präfekt doch bedenklich nahe gekommen; die verdächtige Unterhaltung zwischen dem Neuling und Kennys schon in etwa bekannter Gesellschaft hatte bereits mehrere Minuten gewährt. Um keinen Preis durfte sie einen erregteren Charakter annehmen, was geschähe, wenn man sich mit Playfair in einen weiteren Handel einlassen würde. Eine Untersuchung des Vorfalles und energische Ahndung der an einem Neuling verübten Quälerei wäre alsdann unabwendbar.
Nach einigen halb ärgerlichen, halb scheuen Blicken auf den Störer ihres niedrigen Vergnügens hielten es deshalb die fünf Burschen für geratener, sich in einer möglichst wenig auffallenden Weise zurückzuziehen und in der spielenden Menge zu verlieren.
Tom Playfair aber nahm sich gleich des schüchternen, hilflosen Mitzöglings an. Er setzte sich zu ihm auf die Bank und blickte voll Teilnahme auf den schluchzenden Knaben. Bald legte sich Percys Schmerz; er zog sein weißes, zierlich gefaltetes Battist-Tüchlein hervor, trocknete sich die Thränen ab und schaute seinen Wohlthäter mit inniger Dankbarkeit an.