Ich muß drüben unter den Letzten suchen! — Der Wind pfeift auf jedem Stein aus einer anderen Tonart — eine beklemmende Symphonie! — Die morschen Kränze reißen entzwei und baumeln an ihren langen Fäden stückweise um die Marmorkreuze — ein Wald von Vogelscheuchen! — Vogelscheuchen auf allen Gräbern, eine greulicher als die andere — haushohe, vor denen die Teufel Reißaus nehmen. — Die goldenen Lettern blinken so kalt.... Die Trauerweide ächzt auf und fährt mit Riesenfingern über die Inschrift....

— Ein betendes Engelskind — Eine Tafel —

Eine Wolke wirft ihren Schatten herab. — Wie das hastet und heult! — Wie ein Heereszug jagt es im Osten empor. — Kein Stern am Himmel —

Immergrün um das Gärtlein? — Immergrün? — — Mädchen ...

Hier ruht in Gott
Wendla Bergmann,
geboren am 5. Mai 1878,
gestorben an der Bleichsucht den
27. Oktober 1892.
Selig sind, die reinen Herzens sind ...

Und ich bin ihr Mörder. — Ich bin ihr Mörder! — Mir bleibt die Verzweiflung. — Ich darf hier nicht weinen. — Fort von hier! — Fort —

Moritz Stiefel

(seinen Kopf unter dem Arm, stapft über die Gräber her)