Es gibt keine Aufopferung! Es gibt keine Selbstlosigkeit! — Ich sehe die Guten sich ihres Herzens freun, sehe die Schlechten beben und stöhnen — ich sehe dich, Wendla Bergmann, deine Locken schütteln und lachen, und mir wird so ernst dabei wie einem Geächteten. — — Was hast du vorhin geträumt, Wendla, als du am Goldbach im Grase lagst?

Wendla

— — Dummheiten — Narreteien —

Melchior

Mit offenen Augen?!

Wendla

Mir träumte, ich wäre ein armes, armes Bettelkind, ich würde früh fünf schon auf die Straße geschickt, ich müßte betteln den ganzen langen Tag in Sturm und Wetter, unter hartherzigen, rohen Menschen. Und käm′ ich abends nach Hause, zitternd vor Hunger und Kälte, und hätte so viel Geld nicht wie mein Vater verlangt, dann würd′ ich geschlagen — geschlagen —

Melchior

Das kenne ich, Wendla. Das hast du den albernen Kindergeschichten zu danken. Glaub′ mir, so brutale Menschen existieren nicht mehr.

Wendla