Der liebe Gott behüte dich und segne dich! — Ich werde dir gelegentlich eine Handbreit Volants unten ansetzen.
Dritte Szene
Hänschen Rilow (ein Licht in der Hand, verriegelt die Tür hinter sich und öffnet den Deckel).
Hast du zu Nacht gebetet, Desdemona?
(Er zieht eine Reproduktion der Venus von Palma Vecchio aus dem Busen.)
— Du siehst mir nicht nach Vaterunser aus, Holde — kontemplativ des Kommenden gewärtig, wie in dem süßen Augenblick aufkeimender Glückseligkeit, als ich dich bei Jonathan Schlesinger im Schaufenster liegen sah — ebenso berückend noch diese geschmeidigen Glieder, diese sanfte Wölbung der Hüften, diese jugendlich straffen Brüste — o, wie berauscht von Glück muß der große Meister gewesen sein, als das vierzehnjährige Original vor seinen Blicken hingestreckt auf dem Diwan lag!
Wirst du mich auch bisweilen im Traum besuchen? — Mit ausgebreiteten Armen empfang′ ich dich und will dich küssen, daß dir der Atem ausgeht. Du ziehst bei mir ein wie die angestammte Herrin in ihr verödetes Schloß. Tor und Türen öffnen sich von unsichtbarer Hand, während der Springquell unten im Parke fröhlich zu plätschern beginnt ...
Die Sache will′s! — Die Sache will′s! — Daß ich nicht aus frivoler Regung morde, sagt dir das fürchterliche Pochen in meiner Brust. Die Kehle schnürt sich mir zu im Gedanken an meine einsamen Nächte. Ich schwöre dir bei meiner Seele, Kind, daß nicht Überdruß mich beherrscht. Wer wollte sich rühmen, deiner überdrüssig geworden zu sein!
Aber du saugst mir das Mark aus den Knochen, du krümmst mir den Rücken, du raubst meinen jungen Augen den letzten Glanz. — Du bist mir zu anspruchsvoll in deiner unmenschlichen Bescheidenheit, zu aufreibend mit deinen unbeweglichen Gliedmaßen! — Du oder ich! — und ich habe den Sieg davongetragen.