Ilse

Fehrendorf malt mich als Säulenheilige. Ich stehe auf einem korinthischen Kapitäl. Fehrendorf, sag′ ich dir, ist eine verhauene Nudel. Das letzte Mal zertrat ich ihm eine Tube. Er wischt mir die Pinsel ins Haar. Ich versetze ihm eine Ohrfeige. Er wirft mir die Palette an den Kopf. Ich werfe die Staffelei um. Er mit dem Malstock hinter mir drein über Divan, Tische, Stühle, ringsum durchs Atelier. Hinterm Ofen lag eine Skizze: — Brav sein, oder ich zerreiße sie! — Er schwor Amnestie und hat mich dann schließlich noch schrecklich — schrecklich, sag′ ich dir — abgeküßt.

Moritz

Wo übernachtest du, wenn du in der Stadt bleibst?

Ilse

Gestern waren wir bei Nohl — vorgestern bei Bojokewitsch — am Sonntag bei Oikonomopulos. Bei Padinsky gab′s Sekt. Valabregez hatte seinen Pestkranken verkauft. Adolar trank aus dem Aschenbecher. Lenz sang die Kindsmörderin, und Adolar schlug die Guitarre krumm. Ich war so betrunken, daß sie mich zu Bett bringen mußten. — — Du gehst immer noch zur Schule, Moritz?

Moritz

Nein, nein ... dieses Quartal nehme ich meine Entlassung.

Ilse

Du hast Recht. Ach, wie die Zeit vergeht, wenn man Geld verdient! — Weißt du noch, wie wir Räuber spielten? — Wendla Bergmann und du und ich und die Andern, wenn ihr abends herauskamt und kuhwarme Ziegenmilch bei uns trankt? — Was macht Wendla? Ich sah sie noch bei der Überschwemmung. — Was macht Melchi Gabor? — Schaut er noch so tiefsinnig drein? — In der Singstunde standen wir einander gegenüber.