Es folgt also aus diesen Versuchen, die in großer Zahl und in vielen Modifikationen von mir ausgeführt wurden, daß im großen und ganzen auf der Rückenseite die Reizbarkeit des Tieres auf dem ersten und zweiten Thorakalsegment am größten ist, etwas geringer an Mandibeln, Kopf und Beinen, und daß sie vom dritten Thorakalsegment über das Abdomen hin nach hinten allmählich abnimmt. Etwas anders ist die Verteilung der Reizbarkeit an der ventralen Seite des Tieres. Hier ist gerade das Hinterleibsende am reizbarsten; verfolgt man die Oberfläche der Bauchseite nach vorn, so erstreckt sich die Zone hoher Reizbarkeit hauptsächlich längs der Mittellinie nach vorn. An den Rumpfseiten nimmt die Reizbarkeit nach vorn hin rasch ab. Die Unterseite der Beine und die umgebende Ventralseite der Thorakalsegmente weist ungefähr die zweite Stufe der Reizbarkeit auf. Die Unterseite des Kopfes ist dagegen auffällig wenig reizbar.
Es erfordert eine ziemlich große Anzahl von Experimenten, um sich über diese Verhältnisse Klarheit zu verschaffen. Denn abgesehen davon, daß man im voraus gar nicht wissen kann, bei welcher Reizbarkeitsstufe des Tieres man das Experiment beginnt, es steigert sich auch die Empfindlichkeit im Verlauf des Experiments oft sehr rasch. So kann es kommen, daß man im Verlauf des Experiments mit immer feineren Tastborsten die gleichen Resultate erzielt, wie vorher mit den groben. Ein Tier z. B., welches zuerst in der vorhin angegebenen Stufenfolge bei der Reizung mit Tastborste 5 reagierte, ergibt nach einiger Zeit deutliche Reaktionen stärkster Art bei Reizung des Rückens, des Hinterleibsendes mit Tastborste 3, bei Reizung der Kopfregion mit Tastborste 2 und bei Reizung des ersten und zweiten Thorakalsegmentes sogar schon mit Borste 0. Ja, nach einiger Zeit kann die Erregung des Tieres so weit gestiegen sein, daß alle Regionen des Körpers schon auf die zartesten Berührungen mit Tastborste 0 reagieren.
Zum Beleg dieser Feststellungen gebe ich im nachfolgenden einige meiner Versuchsprotokolle.
1) Reizung der Dorsalseite von Thorakalsegment II mit einer Tastborste. (Die Reizungen wurden unmittelbar hintereinander in der Reihenfolge der Tabelle ausgeführt. In der Tabelle ist die Zahl der Berührungen, welche angewandt werden mußten, bis eine Reaktion erfolgte, angegeben; das Zeichen + bedeutet einen Schnappreflex, die 0, daß keine Reaktion erfolgte.)
| No. der Borste | Zahl der Berührungen | Reaktion | |
| 4 | 22mal | + | |
| 3 | 100 „ | 0 | |
| 4 | 37 „ | + | |
| 3 | 100 „ | 0 | |
| 4 | 26 „ | + | |
| 3 | 24 „ | + | |
| 3 | 5 „ | + | |
| 3 | 7 „ | + | |
| 2 | 3 „ | + | |
| 2 | 3 „ | + | |
| 2 | 5 „ | + | |
| 2 | 3 „ | + | |
| 1 | 100 „ |
0; kleine Bewegungen | |
| 2 | 2 „ | + | |
| 1 | 50 „ | 0 | |
| 2 | 22 „ | + | |
| 2 | 5 „ | + | |
| 2 | 7 „ | + | |
| 1 | 60 „ | + |
2) Reizung der Bauchseite in der Nähe des Hinterendes; + bedeutet einen Umdrehreflex; sonst Bezeichnungen wie in Tabelle 1.
| No. der Borste | Zahl der Berührungen | Reaktion | |
| 4 | 5mal | + | |
| 1 | 100 „ | 0 | |
| 4 | 3 „ | + | |
| 2 | 120 „ |
0; nur von Berührung 50 ab leichte Zuckung mit Beinpaar 2 und 3 | |
| 4 | 1 „ | + | |
| 1 | 3 „ | + | |
| 1 | 60 „ | 0 | |
| 1 | 50 „ | 0 |
3) Reizung der Bauchseite in der Nähe des Hinterendes; sehr träges Individuum.
| No. der Borste | Zahl der Berührungen | Reaktion |
| 4 | 50mal | kleine Bewegungen |
| 5 | 25 „ | + |
| 4 | 60 „ | 0 |
| Nadel | 15 „ | schwach |
4) Reizung der Dorsalseite des dritten Thorakalsegments bei demselben Individuum wie Tabelle 3.