(Eine ihrer Hände fassend und mit der andern über ihre Stirne streichend.)
Du liebst mich. Ich verkenn es nicht Medea;
Nach deiner Art zwar—dennoch liebst du mich,
Nicht bloß der Blick, mir sagt's so manche Tat.
(Medea lehnt ihre Stirn an seine Schulter.)
Ich weiß, dein Haupt ist schwer von manchem Leid
Und Mitleid regt sich treulich hier im Busen.
Drum laß uns reif und sorglich überlegen
Wie wir entfernen, was so nah uns droht.
Die Stadt hier ist Korinth. In frührer Zeit,
Als ich, ein halb gereifter Jüngling noch,
Vor meines Oheims wildem Grimme floh,
Nahm mich der König dieses Landes auf,
Ein Gastfreund noch von meinen Vätern her
Und wahrte mein, wie eines teuern Sohns.
In seinem Hause lebt' ich sicher manches Jahr.
Nun auch—
Medea.
Du schweigst?
Jason.
Nun auch, da mich die Welt,
Verstößt, verläßt, in blindem Grimm verfolgt,
Nun auch hoff ich von diesem König Schutz:
Nur eines fürcht ich und nicht ohne Grund.
Medea.
Was ist's?
Jason.
Mich nimmt er auf, ich weiß es wohl,
Und auch die Kinder, denn sie sind die Meinen,
Nur dich—
Medea.
Nimmt er die Kinder, weil sie dein,
Behält er als die Deine wohl auch mich.
Jason.
Hast du vergessen, wie's daheim erging,
In meiner Väter Land, bei meinem Ohm,
Als ich zuerst von Kolchis dich gebracht?
Vergessen jenen Hohn, mit dem der Grieche
Herab auf die Barbarin sieht, auf—dich?
Nicht jedem ist wie mir bekannt dein Wesen,
Nicht jedem bist du Weib und Mutter seiner Kinder,
Nicht jeder war in Kolchis, so wie ich.