Kreusa (einflüsternd).
O ihr Götter
Ihr hohen Götter—

Medea (nachsagend).
O ihr Götter—
Ihr hohen, ihr gerechten, strengen Götter!

(Die Leier entfällt ihr, sie schlägt beide Hände vor die weinenden
Augen.)

Kreusa.
Sie weint. Wie kannst du doch so hart sein und so wild.

Jason (sie zurückhaltend).
Laß sie! Kind, du verstehst uns beide nicht!
Es ist der Götter Hand, was sie nun fühlt,
Auch hier gräbt sie, auch hier mit blut'gen Griffen.
Greif du nicht in der Götter Richteramt!
Hättst du sie dort gesehn im Drachenhorst,
Wie sie sich mit dem Wurm zur Wette bäumte,
Voll Gift der Zunge Doppelpfeile schoß,
Und Haß und Tod aus Flammenaugen blinkte,
Dein Busen wär' gestählt gen ihre Tränen.
Nimm du die Leier und sing mir das Lied
Und bann den Dämon, der mich würgend quält.
Du kannst's vielleicht, doch jene nicht.

Kreusa.
Recht gern.

(Sie will die Leier aufheben.)

Medea

(ihren Arm ober der Hand fassend und sie abhaltend). Halt ein!

(Sie hebt mit der andern Hand die Leier auf.)