Medea.
Ich weiß wohl, wo es liegt.
Da draußen an dem Strand der Meeresflut,
Dort hab ich's eingesargt und eingegraben,
Zwei Handvoll Erde weg—und es ist mein!
Allein im tiefsten Innern schaudr' ich auf
Denk ich daran und an das blut'ge Vlies.
Mir dünkt des Vaters und des Bruders Geist
Sie brüten drob und lassen es nicht los.
Weißt noch, wie er am Boden lag
Der greise Vater, weinend ob dem Sohn
Und fluchend seiner Tochter? Jason aber
Schwang hoch das Vlies in gräßlichem Triumph.
Da schwor ich Rache, Rache dem Verräter,
Der erst die Meinen tötete, nun mich.
Hätt' ich mein Blutgerät, ich führt' es aus
Allein nicht wag ich es zu holen;
Denn säh' ich in des goldnen Zeichens Glut
Des Vaters Züge mir entgegenstarren,
Von Sinnen käm' ich, glaube mir!
Gora.
Was also tust du?
Medea.
Laß sie kommen!
Laß sie mich töten, es ist aus!
Von hier nicht geh ich, aber sterben will ich,
Vielleicht stirbt er mir nach, von Reu' erwürgt.
Gora.
Der König naht, trag Sorge doch für dich!
Medea.
Erarmt bin ich an Macht, was kann ich tun?
Will er zertreten mich? er trete nur!
(Der König kommt.)
König.
Der Abend dämmert, deine Frist ist um!
Medea.
Ich weiß.
König.
Bist du bereit zu gehn?
Medea.
Du spottest!
Wenn (nicht) bereit, müßt' ich drum minder gehn?