Kinder hört ihr nicht? Steht auf.

Knabe

(aufwachend). Was willst du?

Medea

(zu ihnen hingeschmiegt). Schlingt die Arme um mich her!

Knabe.
Ich schlief so sanft!

Medea.
Wie könnt ihr schlafen? schlafen?
Glaubt ihr weil eure Mutter wacht bei euch?
In schlimmern Feindes Hand wart ihr noch nie!
Wie könnt ihr schlafen hier in meiner Nähe?
Geht da hinein, da drinnen mögt ihr ruhn!

(Die Kinder gehen in den Säulengang.)

So, sie sind fort! Nun ist mir wieder wohl!—Und weil sie fort;
was ist wohl besser drum?
Muß ich drum minder fliehn, noch heute fliehn?
Sie hier zurück bei meinen Feinden lassend?
Ist minder drum ihr Vater ein Verräter?
Hält minder Hochzeit drum die neue Braut? Morgen wenn die Sonne
aufgeht,
Steh ich schon allein,
Die Welt eine leere Wüste,
Ohne Kinder, ohne Gemahl
Auf blutig geritzten Füßen
Wandernd ins Elend.—Wohin?
Sie aber freuen sich hier und lachen mein!
Meine Kinder am Halse der Fremden
Mir entfremdet, auf ewig fern.
Duldest du das?
Ist's nicht schon zu spät?
Zu spät zum Verzeihn?
Hat sie nicht schon, Kreusa, das Kleid,
Und den Becher, den flammenden Becher?
—Horch!—Noch nicht!—Aber bald wird's erschallen
Von Jammergeschrei in der Königsburg.
Sie kommen, sie töten mich!
Schonen auch der Kleinen nicht.
Horch! jetzt rief's!—Helle zuckt empor!
Es ist geschehn!
Kein Rücktritt mehr!
Ganz sei es vollbracht! Fort!

(Gora stürzt aus dem Palaste.)