Jason.
O weh mir, weh!
Medea.
Du trage, was dich trifft,
Denn wahrlich, unverdient trifft es dich nicht!
Wie du vor mir liegst auf der nackten Erde,
So lag ich auch in Kolchis einst vor dir,
Und bat um Schonung, doch du schontest nicht!
Mit blindem Frevel griffst du nach den Losen,
Ob ich dir zurief gleich: du greifst den Tod.
So habe denn was trotzend du gewollt:
Den Tod. Ich aber scheide jetzt von dir;
Auf immerdar. Es ist das letztemal
In alle Ewigkeit das letztemal
Daß ich zu dir nun rede mein Gemahl.
Leb wohl. Nach all den Freuden frührer Tage,
In all den Schmerzen, die uns jetzt umnachten,
Zu all dem Jammer, der noch künftig droht
Sag ich dir Lebewohl, mein Gatte.
Ein kummervolles Dasein bricht dir an,
Doch was auch kommen mag: Halt aus!
Und sei im Tragen stärker als im Handeln.
Willst du im Schmerz vergehn, so denk an mich
Und tröste dich an meinem größern Jammer,
Die ich getan, wo du nur unterlassen.
Ich geh hinweg, den ungeheuern Schmerz
Fort mit mir tragend in die weite Welt.
Ein Dolchstoß wäre Labsal, doch nicht so!
Medea soll nicht durch Medeen sterben,
Mein frühres Leben, eines bessern Richters
Macht es mich würdig, als Medea ist.
Nach Delphi geh ich. An des Gottes Altar
Von wo das Vlies einst Phryxus weggenommen
Häng ich, dem dunkeln Gott das Seine gebend,
Es auf, das selbst die Flamme nicht verletzt
Und das hervorging ganz und unversehrt
Aus der Korintherfürstin blut'gem Brande;
Dort stell ich mich den Priestern dar, sie fragend,
Ob sie mein Haupt zum Opfer nehmen an,
Ob sie mich senden in die ferne Wüste
In längerm Leben findend längre Qual.
Erkennst das Zeichen du, um das du rangst?
Das dir ein Ruhm war und ein Glück dir schien?
Was ist der Erde Glück?—Ein Schatten!
Was ist der Erde Ruhm?—Ein Traum!
Du Armer! der von Schatten du geträumt!
Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.
Ich scheide nun, leb wohl, mein Gatte!
Die wir zum Unglück uns gefunden,
Im Unglück scheiden wir. Leb wohl!
Jason.
Verwaist! Allein! O meine Kinder!
Medea.
Trage!
Jason.
Verloren!
Medea.
Dulde!
Jason.
Könnt' ich sterben!
Medea.
Büße!
Ich geh und niemals sieht dein Aug' mich wieder!
(Indem sie sich zum Fortgehen wendet fällt der Vorhang.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Das goldene Vließ, von
Franz Grillparzer.