(Hinzutretend.)

Verruchte!

Medea (stöhnend).
Ah!

Jason.
Stöhnst du? Ja zittre nur!
Mein Schwert soll deine dunkeln Netze lösen!

(Sie mit der Lampe beleuchtend).
Doch seh' ich recht? Bist du die Zauberin,
Die dort erst heischre Flüche murmelte?
Ein weiblich Wesen liegt zu meinen Füßen,
Verteidigt durch der Anmut Freiheitsbrief,
Nichts zauberhaft an ihr, als ihre Schönheit.
(Bist) du's?—Doch ja! Der weiße Arm, er blutet,
Verletzt von meinem mitleidslosen Schwert!
Was hast du angerichtet? Weißt du wohl,
Ich hätt' dich töten können, holdes Bild,
Beim ersten Anfall in der dunkeln Nacht?
Und Schade wär's, fürwahr, um so viel Reiz!
Wer bist du, doppeldeutiges Geschöpf?
Scheinst du so schön und bist so arg, zugleich
So liebenswürdig und so hassenswert,
Was konnte dich bewegen, diesen Mund,
Der, eine Rose, wie die Rose auch
Nur hauchen sollte süßer Worte Duft,
Mit schwarzer Sprüche Greuel zu entweihn?
Als die Natur dich dachte, schrieb sie: (Milde)
Mit holden Lettern auf das erste Blatt
Wer malte Zauberformeln auf die andern?
O geh! ich hasse deine Schönheit, weil sie
Mich hindert deine Tücke recht zu hassen!
Du atmest schwer. Schmerzt dich dein Arm? Ja, siehst du
Das sind die Früchte deines argen Treibens!
Es blutet! Laß doch sehn!

(Nimmt ihre Hand.)

Du zitterst, Mädchen,
Die Pulse klopfen, jede Fiber zuckt.
Vielleicht bist du so arg nicht, als du scheinst,
Nur angesteckt von dieses Landes Wildheit,
Und Reue wohnt in dir und fromme Scheu.
Heb auf das Aug und blicke mir ins Antlitz,
Daß ich die dunkeln Rätsel deines Handelns
Erläutert seh' in deinem klaren Blick.—
Du schweigst!—O wärst du stumm, und jene Laute,
Die mir ertönten, fluchenswerten Inhalts,
Gesprochen hätte sie ein andrer Mund,
Der minder lieblich, Mädchen, als der deine.
Du seufzest!—Sprich!—Laß deine Worte tönen;
Vertrau' den Lüften sie, als Boten, an,
Sonst holt mein Mund sie ab von deinen Lippen.

(Er beugt sich gegen sie.)
(Man hört Waffengeklirr und Stimmen in der Ferne.)

Horch!—Stimmen!

(Er läßt sie los.)