"So wißt denn", sagte der Fremde, "daß uns die herrliche Lage und Bauart Eures Klosters mit Bewunderung erfüllt hat, vor allem aber, daß es so neu ist und vor kurzem erst aufgeführt zu sein scheint."
Die dunkeln Augen des Mönches hoben sich bei dieser Rede und hafteten mit einer Art grimmigen Ausdruckes auf dem Sprechenden.
"Die Zeiten sind vorüber", fuhr dieser fort, wo die Errichtung solcher
Werke der Frömmigkeit nichts Seltenes war. Wie lange steht das
Kloster?"
"Wißt Ihr es vielleicht schon?" fragte, zu Boden blickend, der Mönch, "oder wißt Ihr es nicht?"
"Wenn das erstere, würde ich fragen?" entgegnete der Fremde.
"Es trifft sich zuweilen", murmelte jener. "Drei Jahre steht dies Kloster. Dreißig Jahre!" fügte er verbessernd hinzu und sah nicht auf vom Boden.
"Wie aber hieß der Stifter?" fragte der Fremde weiter. "Welch gottgeliebter Mann?"—Da brach der Mönch in ein schmetterndes Hohngelächter aus. Die Stuhllehne, auf die er sich gestützt hatte, brach krachend unter seinem Druck zusammen; eine Hölle schien in dem Blicke zu flammen, den er auf die Fremden richtete, und plötzlich gewendet, ging er schallenden Trittes zur Türe hinaus.
Noch hatten sich die beiden von ihrem Erstaunen nicht erholt, da ging die Türe von neuem auf, und derselbe Mönch trat ein. Als ob nichts vorgefallen wäre, schritt er auf den Kamin zu, lockerte mit dem Störeisen das Feuer auf, legte Holz zu, blies in die Flamme. Darauf sich umwendend, sagte er: "Ich bin der mindeste von den Dienern dieses Hauses. Die niedrigsten Dienste sind mir zugewiesen. Gegen Fremde muß ich gefällig sein, und antworten, wenn sie fragen. Ihr habt ja auch gefragt? Was war es nur?"
"Wir wollten über die Gründung dieses Klosters Auskunft einholen", sprach der ältere der beiden Deutschen, "aber Eure sonderbare Weigerung"-"Ja, ja!" sagte der Mönch, "Ihr seid Fremde, und kennet Ort und Leute noch nicht. Ich möchte gar zu gerne Eure törichte Neugierde unbefriedigt lassen, aber dann klagt Ihrs dem Abte, und der schilt mich wieder, wie damals, als ich dem Palatin von Plozk an die Kehle griff, weil er meiner Väter Namen schimpfte. Kommt Ihr von Warschau?" fuhr er nach einer kleinen Weile fort.
"Wir gehen dahin", antwortete einer der Fremden.