Rustan.
Freiheit! Ha, mit langen Zügen
Schlürf ich deinen Äther ein.
In des Morgens Purpurschein
Seh ich deine Banner fliegen,
Die auf Höhn, am Himmelszelt
Weit umher du aufgestellt;
Allen Lebenden ein Zeichen
In der Schöpfung weiten Reichen.
Freiheit! Atem der Natur,
Zeiger an der Weltenuhr,
Alles Großen Wieg' und Thron,
Nimm ihn auf, den neuen Sohn;
Laß mein Stammeln dir gefallen,
Die du Mutter bist von allen!

Zanga.
Herr, und jetzt genug geschwärmt.
Nun laßt uns von Nöt'germ sprechen.

Rustan.
Nötig? Nöt'germ? Oh, nicht denken,
Laß mich fühlen jetzo noch!
Nicht mehr in dem Qualm der Hütte,
Eingeengt durch Wort und Sorge,
Durch Gebote, durch Verbote;
Frei, mein eigner Herr und König.
Wie der Vogel aus dem Neste,
Nun zum erstenmal versuchend
Die noch ungeprüften Flügel.
Schaudernd steht er ob dem Abgrund,
Der ihn angähnt. Wagt er's? Soll er?
Er versucht's, er schlägt die Schwingen—
Und es trägt ihn, und es hebt ihn.
Weich schwimmt er in lauen Lüften,
Steigt empor, erhebt die Stimme,
Hört sich selbst mit eignen Ohren,
Und ist nun erst, nun geboren.
Also fühl ich mich im Raume;
Möcht auf alle Berge steigen,
Möcht aus allen Quellen trinken,
Laub und Bäume möcht ich grüßen,
Bin ein Mensch erst und ein Mann.

Zanga.
Sprecht nur zu, 's hat keine Eile,
Ich erfrische mich derweile.

(Er setzt sich.)

Rustan.
Zanga, nein! Nicht ruhn, nicht rasten,
Bis begonnen unser Werk.

Zanga.
Unser Werk? So wollt Ihr also
Handeln, prüfen, denken, trachten?

(Er steht auf.)

Nun, da bin ich Euch zu Dienst.

Rustan.
Fort, und auf nach Samarkand!
Oben nur von jenen Hügeln
Sah in seiner Türme Brand
Ich die Sonne strahlend spiegeln,
Wir sind dort, eh' sie entschwand.