Mirza.
Scheltet drum ihn nicht, mein Vater!
War er doch nicht immer so.
Oh, ich weiß wohl eine Zeit,
Wo er sanft war, fromm und mild,
Wo er stundenlange saß
Auf dem Grund zu meinen Füßen,
Bald des Hauses Arbeit teilend,
Bald ein Märchen mir erzählend,
Bald—o glaubt mir, lieber Vater,
Er war damals sanft und gut.
Hat er seither sich verändert,
Ei, er kann sich wieder ändern
Und er wird's, gewiß, er wird's.
Massud.
Wähnst du mich zu überzeugen,
Und kannst es dich selber nicht?
Mirza.
Glaubt, mein Vater, dieser Sklave,
Zanga, er trägt alle Schuld.
Seit er trat in unsre Hütte,
Seit erklang sein Schmeichelwort,
Floh die Ruh' aus unsrer Mitte
Und aus Rustans Busen fort.
Rustan, wahr ist's, schon als Knabe
Horcht' er gerne großen Taten,
Übt' er gerne Ungewohntes,
Wollt' er gerne was er kann,
Wär' das schlimm? Er ist ein Mann.
Stets doch hielt er die Gedanken
In des Hauses frommen Schranken
Und gebot dem raschen Mut.
Zanga kam. Sein Hauch, verstohlen,
Blies die Asche von den Kohlen
Und entflammte hoch die Glut. Oh, ich habe sie belauscht!
Oft, wenn Rustan mir versprochen,
Nicht zu gehen nach den Bergen,
Und er still und ruhig saß;
Da trat Zanga vor ihn hin,
Und von Schlachten hört' ich's tönen,
Und von Kämpfen und von Siegen.
Hoch empor und immer höher
Stieg die Glut in Rustans Wangen,
Jede seiner Fibern zuckte,
Und die Hände ballten sich;
Aus den tiefgezognen Brauen,
Schossen Blitze wilden Feuers,
Und zuletzt—
da sprang er auf,
Langte von der Wand den Bogen,
Warf den Köcher um den Nacken,
Und hinaus—hinaus zum Walde!
Massud.
Armes Kind! und achtet nicht,
Hart und sorglos, der Verkehrte!
Deines Kummers, deiner Angst.
Mirza.
Angst? Warum denn Angst, mein Vater?
Oh, ich weiß, der starke Rustan
Kennt nicht Furcht und nicht Gefahr.
Dann ist Zanga ja mit ihm.
Massud.
(Doch) nur zwei.
Mirza.
Er zählt für viele.
Massud.
In der Nacht—
Mirza.
Er kennt den Pfad.
Massud.
Wie so leicht ein wildes Tier—