Gülnare (fortfahrend).
Jener greise, stumme Mann,
Der, den Tod des Sohnes rächend,
Ausgestreckt die frevle Hand
Nach des edlen Fürsten Leben,
Seine Helfer und Genossen
Ruhen nicht, bis sie dem Vater
Mich, die Tochter, nachgesandt.
Zwar, der Frevler ist gefangen,
Aber mächtig sind die Seinen,
Man befreit ihn, er kehrt wieder,
Und vollendet sein Geschäft.
Rustan.
Zanga! Zanga! Spricht sie? Hör ich?
Gülnare (kniend).
Herr, o stoß mich nicht zurück!
Deinen Namen auf den Lippen,
Starb der gute, alte Vater,
Gleich, als wollt' er seine Liebe,
Sein Vertraun auf deinen Beistand
Noch im Abschied von dem Leben
Mir als letzte Erbschaft geben.
"Rustan", sprach er, und verschied.
Und so fleh ich denn im Staube:
Nimm die Einsame, Verlaßne,
Einst bestimmt zu nähern Banden,
Nimm sie auf in deinen Schutz!
(Trompeten.)
Gülnare (aufstehend).
Hörst du? Auch das Heer in Aufruhr.
Es rückt an auf diese Mauern.
Deinen Namen nennen sie,
Ihren Führer, dich, als Herrn.
Und das Volk schart sich zu ihnen,
Alle gegen mich gerichtet,
Ohne deinen, deinen Schutz.
(Von der linken Seite, außer den Vorhängen, bringen einige
Gewaffnete den alten Kaleb.)
Gülnare.
Siehst du dort den grauen Mörder?
Wie er funkelt, wie er glüht!
Weh!
Zanga (die Hand an den Säbel gelegt).
Auf ihn! Haut ihn in Stücke!
(Von der rechten Seite, aus dem Hintergrunde, ziehen in Reihen bewaffnete Krieger und schwenken sich gegen die Mitte zu halb auf.)
Gülnare.
Dort das Heer! Ich bin verloren!