(Der alte Kaleb erscheint an der Türe. Bewaffnetes Geleite hinter ihm.)
Rustan (zu Zanga).
Tor und Schurke!
Zanga.
Herr, gar alt
Ist der Spruch: vor Recht Gewalt.
(Der alte Kaleb ist eingetreten. Da er Rustan erblickt, will er wieder zurück.)
Gülnare.
Bleib du nur und fürchte nichts.
Ich bin hier zu deinem Beistand.
Ja, man braucht dein einfach Zeugnis
Über einen wicht'gen Punkt,
Den noch Nebel dicht umwallen,
Und nur dir bekannt von allen:
Deut uns deines Königs Tod.
Rustan.
Er ihn deuten? Raserei!
Er, der selbst der Tat verdächtig,
Überwiesen wohl sogar,
Der in jener grausen Stunde
Schuldig hieß in jedem Munde,
Stellt sich jetzt, ein Kläger, dar?
Gülnare.
Der Verdacht der ersten Stunde
Ist darum nicht immer wahr.
Wohl hab ich seitdem vernommen,
Daß der König, als er hinging
In den letzten, tiefen Schlaf,
Diesen hier als Freund umfangen,
Ihm vertraut die letzten Worte;
Und er wußte, wer ihn traf.
(Der alte Kaleb ist auf die Knie gesunken, und streckt flehend die
Hände empor.)
Rustan.
Ha, vortrefflich ausgesonnen,
Nur nicht auch so leicht vollbracht.
Du vergißt, daß hier dein Zeuge,
Daß er lautlos wie die Nacht,
Und mit Blicken und mit Mienen,
Die ihr schlau ihm beigebracht,
Kann vor Kindern er bestehen,
Nicht vor der Gesetze Macht.
Gülnare.
Und du selber hast vergessen,
Daß der Mensch in seiner Weisheit
Längst ein Mittel ausgedacht,
Zu verkörpern seine Laute,
Festzuhalten, was gedacht.
Dort ein Tisch, Papier und Feder,
Mit zwei Zügen ist's vollbracht,
Und ein ärmlich Blatt erhellet
Des Geschehnen dunkle Nacht.
Setzt ihn hin und laßt ihn schreiben,
Ihn beschützet meine Macht.