Zanga.
Alter, hier!

(Er reicht ihm die Feder mit der linken Hand. Während der Alte zögernd darnach greift, fährt Zanga mit der Rechten, in der er den Dolch verborgen hält, ihm entgegen und verwundet ihn.)

Doch sieh dich vor!
(Der Alte sinkt mit einem unartikulierten Schmerzenslaut in den
Stuhl zurück, die verwundete Rechte mit der Linken, später mit
einem Tuche bedeckend.)

Gülnare (nach dem Alten blickend).
Ha, was ist? Du bist verwundet?

(Zanga hat die Hand, in der er den Dolch hält, rasch auf den Rücken gelegt, und sucht den Hintergrund und die Seite zu gewinnen, wo sein Herr steht.)

Gülnare.
Wo der Täter? Schließt die Türen!

Karkhan.
Dieser war's! Seht ihr das Blut?
Seht den Dolch in seinen Händen!
Greift ihn!

Zanga.
Herr, errett, beschütze!

Gülnare.
Schütz ihn, ja, und hab's nicht Hehl!
War die Tat doch dein Befehl!

Rustan.
Mein Befehl? Der ich vor allen
Wünschen muß, daß dieser Mann,
Der allein den gift'gen Argwohn
Mir vom Haupt entfernen kann,
Daß er lebe, daß er fähig—
Mit der Hand, wenn stumm sein Mund
Auszusagen, was ihm kund;
Und ich sollt' ihn selbst verletzen,
Selbst Unmöglichkeit mir setzen,
Mich zu reinen hier zur Stund'?
Hat ihn dieser hier verwundet,
Steh dafür er selber ein;
Wer des Zeugen Worte scheuet,
Fühlt am mindesten sich rein.
War denn er nicht auch zugegen,
Als der alte Fürst erblich?
Warum einen nur beschuld'gen,
Teilt der Schein in viele sich?
Hat sein Arm es nicht vollzogen,
Tat's vielleicht sein Wort, sein Rat;
Oh, es gibt der Arten viele,
Zu begehen eine Tat!
Und so kehr ich ihm den Rücken,
Wende ab von ihm den Blick;
Ist er schuldlos, sei's zum Glücke,
Schuldig, hab ihn sein Geschick.