Zanga.
Wohl!

Rustan.
Es ist nichts Wirklichs, sag ich.
Truggestalten, Nachtgebilde;
Krankenwahnwitz, willst du lieber,
Und wir sehen's, weil im Fieber.

(Es schlägt die Uhr.)

Horch, es schlägt!—Drei Uhr vor Tage.
Kurze Zeit, so ist's vorüber!
Und ich dehne mich und schüttle,
Morgenluft weht um die Stirne.
Kommt der Tag, ist alles klar,
Und ich bin dann kein Verbrecher,
Nein, bin wieder, der ich war.

(Eine Dienerin der Königin, die sich früher entfernt, kommt mit einem Fläschchen zum Beistande des Verwundeten zurück.)

Rustan.
Sieh, ist das nicht Muhme Mirza?
Auch ein Nachtgebild', wie jene,
Die dort um den Alten stehn!
Sieh, ich hauche, sie vergehn. Wie? sie bleiben? nahen? dräuen?
Eingetaucht denn nur von neuen,
Laß uns nach dem Weitern sehn.

Gülnare (sich von dem Alten emporrichtend).
All umsonst! die Pulse stocken;
Nur zu sicher, er verging.

(Rustan erblickend.)

Du noch hier? noch immer trotzend?

Rustan.
Fürstin, halt! und ohne Hast!
Was hier wirklich, was geschehen,
Wieviel mir dran fällt zur Last,
Laß uns rechnen, laß uns abziehn,
Mir, was mein, dir, was du hast.
Manchen Dienst bist du mir schuldig,
Manches Gute dies dein Land,
Und doch schenk ich dir's zur Stunde,
Lasse los all was dich band.
Wähle von den reichsten Schätzen,
Nimm die köstlichsten Provinzen,
Kleinod, Perlen, Edelstein;
Mir laß eine leere Wüste,
Wo Verlangen buhlt mit Armut,
Wo kein Gold als Sonnenschein.
Doch die Herrschaft, sie sei mein.