Mutter.
Dein Bruder, Kind, ist nicht mehr unter uns!

Hero.
Wie, nicht?

Mutter. Nach manchem herben Leid,
Den Eltern doppelt schwer, verließ er uns,
Verließ die Braut, die sein in Tränen dachte,
Und zog dahin mit gleichgesinnten Männern
Auf kühne Wagnis in entferntes Land.
Zu Schiff, zu Roß? Wer weiß? wer kann es wissen?

Hero.
So ist er nicht mehr da? Nun doppelt gerne
Kehrt' ich mit dir nach Haus, seit kund mir solches.
Doch ist nicht er, sind da noch hundert andre,
Von gleichem Sinn und störrisch wildem Wesen.
Das ehrne Band der Roheit um die Stirn,
Je minder denkend, um so heft'ger wollend.
Gewohnt zu greifen mit der starren Hand
Ins stille Reich geordneter Gedanken,
Wo die Entschlüsse keimen, wachsen, reifen
Am milden Strahl des gottentsprungnen Lichts.
Hineinzugreifen da und zu zerstören,
Hier zu entwurzeln, dort zu treiben, fördern
Mit blindem Sinn und ungeschlachter Hand.
Und unter solchen wünschest du dein Kind?
Vielleicht wohl gar—?

Mutter. Was soll ich dir's verhehlen?
Das Weib ist glücklich nur an Gattenhand.

Hero.
Das darfst du sagen, ohne zu erröten?
Wie? und mußt hüten jenes Mannes Blick,
Des Herren, deines Gatten? Darfst nicht reden,
Mußt schweigen, flüstern, ob du gleich im Recht,
Ob du die Weisre gleich, stillwaltend Beßre?
Und wagst zu sprechen mir ein solches Wort?

Vater (im Hintergrunde).
Die Mutter flattert auf.

Mutter. O wehe, weh!
Sie haben mir mein frommes Kind entwendet,
Ihr Herz geraubt mit selbstisch eitlen Lehren,
Daß meiner nicht mehr denkend, harten Sinns,
Sie achtlos hört der Nahverwandten Worte!

Hero (von ihr wegtretend).
Ich aber will mit heiterm Sinne wandeln
Hier an der Göttin Altar, meiner Frau.
Das Rechte tun, nicht weil man mir's befahl,
Nein, weil es recht, weil ich es so erkannt.
Und niemand soll mir's rauben und entziehn.

(Mit starker Betonung.)